Der Tote am Strand

Kamel Daoud: Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung

Moussa Ould el-Assasse – das ist der Name eines der berühmtesten Toten der Literaturgeschichte. Er ist der am Strand von Algier erschossene Araber in Albert Camus‘ Roman „Der Fremde“. Oder zumindest könnte das sein Name sein, denn bei Camus bleibt der von seinem Protagonisten Meursault Erschossene namenlos. Der algerische Schriftsteller Kamel Daoud hat sich der Geschichte angenommen und stellt sie uns aus arabischer Perspektive dar, weshalb sein Buch den Titel trägt „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“. Ein Anspruch, der mich sofort neugierig auf den Roman machte, versprach er doch, mich auf eine Reise in die eigene Erinnerung mitzunehmen. „Der Tote am Strand“ weiterlesen

Woodrell-Lesetag in Berlin

Daniel Woodrell: Winters Knochen

Eigentlich sollte dies ein Text über die Ozarks-Trilogie von Daniel Woodrell werden. „Der Tod von Sweet Mister“ und „Winters Knochen“ standen schon lange ungelesen im Regal, das Erscheinen der Neuübersetzung von „Tomatenrot“ war der perfekte Anlass, alle drei Bände hintereinander zu lesen. Dabei wurde klar: Die Idee mit der Gesamtbesprechung wird nicht funktionieren. Zwar sind „Der Tod von Sweet Mister“ und „Tomatenrot“ beides lesenswerte Bücher; schon alleine durch Woodrells unnachahmliche Art die Trostlosigkeit gescheiterter Leben zu ästhetisieren.

Aber „Winters Knochen“ ragt aus diesen drei Werken so hervor, ist ein so sprachgewaltiges Buch, ein so durch und durch gelungener und mitreißender Roman, dass es nun vor allem um ihn gehen wird. Zumal mich die Geschichte einen Tag lang in Berliner Cafés begleitet hat. Ein Kaffeehaus-Lesetag, so wie schon einmal mit einem Buch von ihm in Köln. „Woodrell-Lesetag in Berlin“ weiterlesen

Die Brücke der Lügen

Joakim Zander: Der Schwimmer

Als der namenlos bleibende Agent endlich die Akte erhält, nach der er gesucht hat, wird sein Leben eine zweite entscheidende Wendung nehmen. Es ist im Dezember 2013 und die andere, die erste entscheidende Wendung liegt viele Jahre zurück. Er war damals, im Juli 1980, im Auftrag der CIA in Damaskus stationiert, hatte sich in eine schwedische Diplomatin verliebt und hielt ihr beider Kind in den Armen, als sie in seinem explodierenden Auto starb. Das Kind überlebte, aber er fühlte sich außerstande, für es zu sorgen, so dass seine Tochter Klara ohne irgendetwas über ihren Vater zu wissen bei ihren Großeltern auf einer schwedischen Schäreninsel aufwuchs.

Den CIA-Agenten hatten die Geschehnisse aus der Bahn geworfen, der weitere Verlauf seines Lebens bildet die Rahmenhandlung des Romans „Der Schwimmer“ von Joakim Zander. „Die Brücke der Lügen“ weiterlesen