Der Sessel

Der Sessel. Ein Beitrag für das Lesemagazin KUDU.

Mitten im Raum stand der Sessel. Ein wuchtiges Ding, das dazu einlud, es sich darin mit einem Buch bequem zu machen. Der Fußboden war übersät mit Mörtelbrocken und Glasscherben, die Wände waren vollgesprüht mit Graffiti, in einer Ecke lagen angekohlte Holzstücke und durch die eingeschlagenen Fenster wehte ein eiskalter Wind. Und doch ratterte beim Anblick dieses Sessels sofort das Kopfkino los. Wie mochte er wohl an diesen Platz gekommen sein? Aber bevor ich weitererzähle, sollte ich zuvor die Frage beantworten, wo wir eigentlich gerade sind. Und was ich da mache. „Der Sessel“ weiterlesen

Viva la librería

Viva la librería: Über die Freiheit des Wortes

Zu Beginn der neunziger Jahre war es in meinem Bekanntenkreis en vogue, sich für Südamerika zu begeistern. Es wurde Spanisch gelernt, man nahm alle möglichen Nebenjobs an, um das Geld für Flüge zusammen zu bekommen, Freunde reisten monatelang durch den Kontinent, in südamerikanischen Metropolen wurden Praktika oder Auslandssemester absolviert, es wurde abendelang geredet und über südamerikanische Länder im Umbruch diskutiert. Länder, die es geschafft hatten, die Fesseln von Militärdiktaturen abzustreifen, Bürgerkriege zu überwinden und sich auf dem Weg in eine gerechtere Zukunft befanden. Zumindest hofften wir das damals.

Aus dieser Zeit – es muss etwa 1993 gewesen sein – habe ich von einer Freundin eine Postkarte erhalten. Woher genau die Karte war, weiß ich leider nicht mehr, denn obwohl ich die letzten Wochen überall wegen des Photos für diesen Beitrag nach dieser Postkarte gesucht habe, konnte ich sie nicht mehr finden. Schade. Aber eigentlich auch egal, denn es waren lediglich drei Sätze, die darauf standen, und die Abbildung des Schaufensters einer Buchhandlung. Die Sätze habe ich nie vergessen: „Viva la librería“ weiterlesen

Die lange Nacht der Buchregale

Fischer TOR

Die Buchbranche ist eine überschaubare Welt und es ist an sich nichts Ungewöhnliches, Personen, Gesichtern oder Namen bei unterschiedlichen Gelegenheiten ein zweites oder drittes Mal zu begegnen. Als ich aber kürzlich Post im Briefkasten hatte, schloss sich der Kreis zu einem Abend, der schon lange zurückliegt, den ich aber noch gut in Erinnerung habe. Es würde mir aber auch schwerfallen, solch einen Abend, solch eine Büchernacht zu vergessen. Doch der Reihe nach. „Die lange Nacht der Buchregale“ weiterlesen

Buchhändlers Traum

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung

Irgendwie kennt das jeder von uns: Man sitzt mit ein paar Freunden zusammen, bei dem ein oder anderen Glas Wein oder Bier werden visionäre Geschäftsideen konzipiert oder es wird über mögliche Lebensentwürfe phantasiert. Und am nächsten Tag geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Nicht so bei Petra und Oliver Hartlieb. In Hamburg wohnend waren sie bei Freunden in Wien zu Besuch, das Gespräch kam auf eine alteingesessene Wiener Stadtteilbuchhandlung, die wegen Insolvenz schließen musste. Man spann seine Gedanken weiter, erkundigte sich im Zuge dieser Spinnerei formlos nach dem Status der Buchhandlung und gab als eher halb ernstgemeinte Idee ein Gebot beim Insolvenzverwalter ab. Wenige Wochen später hatten die Hartliebs aus Hamburg eine Wiener Buchhandlung gekauft. Quasi versehentlich. Und Petra Hartlieb schreibt in ihrem Buch „Meine wundervolle Buchhandlung“ darüber, wie alles kam. Wie alles wurde. Und wie alles ist. „Buchhändlers Traum“ weiterlesen