Zeitlose Gier nach Macht

Jo Nesbø: Macbeth - Das Shakespeare Projekt

William Shakespeares Drama „Macbeth“ dürfte eines der düstersten Stücke der Weltliteratur sein und es hat auch nach über vier Jahrhunderten nichts von seiner Faszination eingebüßt. Es ist die Geschichte des siegreichen Helden, der auf die dunkle Seite wechselt, zum machtbesessenen Tyrannen wird und im Irrsinn endet. An seiner Seite Lady Macbeth, Vertraute, Geliebte und tückische Verschwörerin in einer Person, vereint im blutig-bösen Triumph und im wahnhaften Scheitern.

Nun hat Jo Nesbø das Stück adaptiert und ins 20. Jahrhundert verlagert. Sein Roman „Macbeth“ ist ein wilder, actiongeladener Ritt durch Shakespeares Stück mit Noir-Elementen vom Feinsten. Als gleichermaßen begeisterter Shakespeare- und Nesbø-Leser war ich natürlich sehr gespannt auf das Buch. „Zeitlose Gier nach Macht“ weiterlesen

Literarischer Gedenkstein

Ueber den Feldern - Der Erste Weltkrieg in grossen Erzaehlungen der Weltliteratur

Guillaume Apollinaire, Isaac Babel, Tania Blixen, Jorge Luis Borges, Bertolt Brecht, Louis-Ferdinand Céline, Joseph Conrad, Gabriele d’Annunzio, Heimito von Doderer, Alfred Döblin, Ilja Ehrenburg, William Faulkner, Ford Madox Ford, Anatole France, Claire Goll, Jaroslav Hašek, Ernest Hemingway, Franz Kafka, Eduard Graf von Keyserling, Rudyard Kipling, Klabund, Karl Kraus, Vernon Lee, Heinrich Mann, Katherine Mansfield, William Somerset Maughan, Robert Musil, Boris Pasternak, Joseph Roth, Gertrude Stein, Franz Werfel, Edith Wharton, Thomas Wolfe, Virginia Woolf, Carl Zuckmayer, Arnold Zweig, Stefan Zweig.

Viele berühmte Namen.

Doch neben der Tatsache, dass sie Weltliteratur verfasst haben, eint diese Menschen noch etwas mehr: Sie alle lebten während des Ersten Weltkriegs und diese vier mörderischen Jahre haben in ihren Biographien Spuren hinterlassen. Direkte und indirekte, künstlerische und alltägliche. Sie haben diesen Krieg literarisch verarbeitet und das von Horst Lauinger herausgegebene Buch „Über den Feldern – Der Erste Weltkrieg in großen Erzählungen der Weltliteratur“ versammelt Texte von ihnen allen in einem Band. Wobei ich zu Beginn nur die ganz bekannten Namen erwähnt habe; die Textsammlung geht noch weit darüber hinaus und sorgt für Neu- und Wiederentdeckungen von Stimmen aus jener Zeit. Längst verklungen, aber zwischen zwei Buchdeckeln immer noch da. Hörbar, lesbar, wie ein hundert Jahre altes Echo. „Literarischer Gedenkstein“ weiterlesen

Das Bovary-Projekt

Gustave Flaubert: Madame Bovary

„Madame Bovary“ von Gustave Flaubert ist einer der berühmtesten Romane der Literaturgeschichte. Bei seinem Erscheinen 1857 löste er einen Skandal aus, der Autor wurde wegen unmoralischen Verhaltens, insbesondere „Verherrlichung des Ehebruchs“ angeklagt und musste sich vor Gericht verantworten. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch – und förderte natürlich die Popularität des Werkes enorm. Der Roman ist als Frühwerk des Realismus ein Meilenstein auf dem Weg in die literarische Moderne; Flaubert zieht sich als Autor auf die Rolle eines Beobachters, eines Chronisten der Ereignisse zurück und beschreibt das tragische Leben der Emma Bovary. Eine Frau, die an ihrer provinziellen Umgebung verzweifelt und auf der Suche nach Erfüllung alles opfert. Und eben jenes Stilmittel der bloßen Beschreibung – ohne Wertung und ohne moralische Richtschnur – sorgte für die Empörung der Öffentlichkeit, die es nicht gewohnt war, auf solche Weise einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Realistisch und ohne Verklärung.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2017 sprach ich mit BuchGeschichten-Booktuberin Ilke Sayan über „Madame Bovary“ und wir stellten fest, dass wir beide das Buch noch nie gelesen haben. So beschlossen wir, gleichzeitig mit der Lektüre zu starten und uns anschließend darüber auszutauschen. Die Idee war, im Gespräch über das Buch die weibliche und die männliche Leserperspektive miteinander zu vergleichen, Gemeinsamkeiten und unterschiedliche Sichtweisen auszuloten. Daraus ist nun ein Film auf BuchGeschichten entstanden – mein erster Booktube-Auftritt, ich war ehrlich gesagt, etwas nervös und bewundere alle Menschen, die entspannt und ohne zu stocken vor der Kamera über Bücher sprechen. Und dieser Blogbeitrag, der parallel zum BuchGeschichten-Film veröffentlicht wird. „Das Bovary-Projekt“ weiterlesen

Feiernd in den Untergang

Joseph Roth: Radetzkymarsch

Genau heute vor 100 Jahren, am 28. Juni 1914, wurde in Sarajevo der Lauf der Weltgeschichte verändert. Der Attentäter Gavrilo Princip, Mitglied der serbischen Terrororganisation Schwarze Hand, feuerte zwei Schüsse auf den Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie und seine Gemahlin ab und tötete beide. Dieser Mordanschlag löste einen verheerenden Kreislauf aus, der das alte Europa in einen furchtbaren Krieg und in den Untergang führen sollte. „Feiernd in den Untergang“ weiterlesen