Gegen das Vergessen: Bücher für junge Leser

Gegen das Vergessen: Buecher fuer junge Leser

Für das Leseprojekt Das Unerzählbare wurde hier auf Kaffeehaussitzer eine Bücherliste zusammengestellt, die sich mit dem Thema Holocaust beschäftigt. Auslöser dafür ist eine Entwicklung, die man zunehmend mit Sorge betrachten muss: Jener monströse Zivilisationsbruch gerät langsam aber sicher aus dem Bewusstsein vieler Menschen, ewiggestrige Geschichtsrevisionisten wittern Morgenluft, Antisemiten unterschiedlichster Couleur versprühen immer aggressiver ihr Gift. Und in der Literatur droht die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit zum bloßen atmosphärischen Hintergrundrauschen einer Romanhandlung zu verkommen.

Jetzt hat dieses Leseprojekt eine hochwillkommene Ergänzung erhalten, nämlich eine Titelliste speziell für junge Menschen. Sie stammt von der Journalistin, Autorin und Übersetzerin Ute Wegmann, die sich seit vielen Jahren mit dieser Thematik auseinandersetzt und sich durch Initiierung von Projekten wie »HEIMSPIEL – Kölner Autoren lesen in Kölner Schulen« in der Leseförderung engagiert. 2018 erschien ihre Übersetzung von Judith Kerrs Autobiographie »Geschöpfe« – einer Autorin, mit deren Persönlichkeit und Werk sie sich schon lange intensiv beschäftigt. „Gegen das Vergessen: Bücher für junge Leser“ weiterlesen

Das Unerzählbare. Ein Leseprojekt

Das Unerzaehlbare: Ein Leseprojekt gegen das Vergessen

Das Unerzählbare. Mit diesem Begriff umschreibt der Autor Daniel Kehlmann die Beschäftigung mit dem Thema Holocaust und dem mit deutscher Gründlichkeit organisierten Massenmord an sechs Millionen Menschen. Denn wie soll man, wie kann man über diesen monströsen Tiefpunkt der Zivilisation und der deutschen Geschichte reden, schreiben, sprechen? Und gleichzeitig muss man darüber reden und darüber schreiben und darüber sprechen, damit dieses Unerzählbare niemals in Vergessenheit gerät. Deshalb habe ich für ein Leseprojekt Bücher zusammengestellt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. „Das Unerzählbare. Ein Leseprojekt“ weiterlesen

Leben geschieht

Hilmar Klute: Was dann nachher so schoen fliegt

Natürlich weiß ich, dass man sich als Leser nicht mit den Protagonisten eines Romans zu identifizieren braucht, um sich eine Meinung über den Inhalt und die Qualität des Werkes zu bilden. In Kreisen professioneller Rezensenten gilt eine solche Identifikation auch eher als etwas, das es zu vermeiden gilt. Das Gute am Bloggen ist aber, dass man in seinem Blog machen kann, was man möchte. Und dass einem manche Gepflogenheiten egal sein dürfen – besonders wenn man auf ein Buch trifft, das einen zurück in eine Zeit des eigenen Lebens katapultiert. Eine Zeit, die zwar längst vergangen ist, die einen aber geprägt hat, wie kaum eine andere. Und die für so manche Weichenstellungen entscheidend war, die mit all ihren Umwegen bis ins Hier und Heute führen. „Was dann nachher so schön fliegt“ von Hilmar Klute ist genau eines dieser Bücher. „Leben geschieht“ weiterlesen

Bügeln mit Pearl Jam

Buegeln mit Pearl Jam

Kaum eine Tätigkeit im Haushalt kann ich so wenig leiden wie das Bügeln. Man könnte auch sagen, dass ich es hasse. Wenn man aber in einem Alter ist, in dem zerknitterte Hemden nicht mehr unangepasst, sondern eher ungepflegt aussehen, bleibt einem von Zeit zu Zeit leider nichts anderes übrig, als sich an diese ungeliebte Arbeit zu machen.

Das Gute dabei: Zwar haben in der Wohnung längst Spotify & Co. Einzug gehalten, neben dem Bügelbrett steht aber das unverwüstliche CD-Regal mit seinen Schätzen aus der Vergangenheit. Und so ist das Bügeln meist begleitet von unglaublich lauter Musik (so wie früher) mit entspanntem Headbangen (fast so wie früher). Frank Goosen hat in seinem wunderbaren Buch „So viel Zeit“ passende Worte dazu geschrieben: „Musik brachte einen in Kontakt zu jemanden, den man früher gekannt hatte, dem Jemand, der man gewesen ist, bevor man der wurde, der man jetzt war.“ 

Und genau so ist es. Jeder von uns kennt sie wahrscheinlich, die Erinnerungen, die man mit bestimmter Musik verbindet und die sofort wieder präsent vor einem stehen. Als wären nicht Jahre oder Jahrzehnte vergangen, sondern nur ein paar Wochen.

Als ich kürzlich wieder einmal das Bügeleisen einsteckte und den Lautstärkeregler nach rechts drehte, war dieses Erinnern, dieses Gefühl der Verbundenheit mit der eigenen Geschichte allerdings so intensiv wie nur ganz selten zuvor. „Bügeln mit Pearl Jam“ weiterlesen

Zehn Sekunden mit Paul Auster

Paul Auster: 4321

Nach 1259 Seiten war das Buch zu Ende. Zugeklappt lag es vor mir und ich verabschiedete mich schweren Herzens von Archie Ferguson. Es fiel mir schwer, wir hatten einige Wochen miteinander verbracht, waren Vertraute, Freunde geworden. Aber jetzt musste ich ihn ziehen lassen, ihn, den vierfachen Helden aus Paul Austers „4 3 2 1“. Was für ein Roman! Und jetzt überlege ich seit ein paar Tagen, wie ich darüber schreiben soll. Wie sich einem Werk nähern, das bereits seit Wochen in Blogs und im Feuilleton besprochen und hochgelobt wird. Einer der ersten, der über „4 3 2 1“ berichtet hat, war Jochen Kienbaum auf lustauflesen.de und er gelangte zum Fazit: „Das schreibe ich selten bis nie: 4321  ist ein Meisterwerk!“ Und dem schließe ich mich von ganzem Herzen an.

Ein Meisterwerk also. Aber warum? Was macht dieses Buch so besonders, so anders? „Zehn Sekunden mit Paul Auster“ weiterlesen

Die lange Nacht der Buchregale

Fischer TOR

Die Buchbranche ist eine überschaubare Welt und es ist an sich nichts Ungewöhnliches, Personen, Gesichtern oder Namen bei unterschiedlichen Gelegenheiten ein zweites oder drittes Mal zu begegnen. Als ich aber kürzlich Post im Briefkasten hatte, schloss sich der Kreis zu einem Abend, der schon lange zurückliegt, den ich aber noch gut in Erinnerung habe. Es würde mir aber auch schwerfallen, solch einen Abend, solch eine Büchernacht zu vergessen. Doch der Reihe nach. „Die lange Nacht der Buchregale“ weiterlesen

Die Tramper-Zeit. Ein Textbaustein*

Jack Kerouac: Unterwegs

Früher bin ich viel getrampt, allein oder mit Freunden und auf diese Weise durch halb Europa gekommen. Schon damals, Anfang bis Mitte der Neunziger war das eine etwas aus der Mode gekommene Fortbewegungsmethode, heute sieht man sie fast gar nicht mehr, die rucksacktragenden Gestalten am Wegesrand, die den Autofahrern Daumen oder Schilder mit Ortsnamen entgegenrecken.

Meistens bin ich gut voran gekommen. „Die Tramper-Zeit. Ein Textbaustein*“ weiterlesen