Bitte weitergehen, hier ist nichts zu sehen

Bis zum Februar 2021 war an dieser Stelle die Besprechung des Romans »Unter der Haut« von Gunnar Kaiser zu lesen. Nach wie vor halte ich es für ein bemerkenswertes Buch und durch meine Beteiligung am Blogbuster-Preis war ich – zumindest ein bisschen – Geburtshelfer bei dessen Veröffentlichung, da der Berlin Verlag durch die Einreichung auf das Manuskript aufmerksam wurde. Seitdem sind ein paar Jahre vergangen und in dieser Zeit haben sich die öffentlichen Äußerungen des Autors in eine Richtung entwickelt, die es mir unmöglich macht, auf diesem Blog seinen Roman weiterhin vorzustellen. Ich weiß, man soll Autor und Werk trennen, allein, das hier ist mein virtuelles Kaffeehaus. Mit meinen Regeln. 

Gunnar Kaiser sieht sich als libertärer Philosoph, veröffentlicht auf seinem YouTube-Kanal Videos mit provokanten Fragestellungen und eckte schon in der Vergangenheit gerne mit seinen Ansichten an. Die Corona-Pandemie und die für ihre Eindämmung notwendigen Maßnahmen führten allerdings zu einer Eskalation dieses Aneckens. Das Schwadronieren über »Diktatur« und den angeblich unzumutbaren Einschränkungen, denen wir alle momentan ausgesetzt sind, ließen den Applaus aus der rechten Ecke immer lauter werden. Mit seinen Faceook-Postings und Erklärvideos kippt er stetig mehr Öl ins Feuer – die Zustimmung von Menschen, die sich in ihrem gedanklichen Verschwörungslabyrinth vollkommen verlaufen haben, ist ihm dabei gewiss. 

Ende Januar 2021 veröffentlichte er ein Posting, das endgültig jede Art von Anstand, Solidarität und Empathie hinter sich lässt, und in dem er rhetorisch fragt, ob die Älteren unserer Bevölkerung, die durch all die Schutzmaßnahmen vielleicht ein paar Jahre länger leben können, diese Jahre angesichts der Einschränkungen für all die anderen überhaupt verdient hätten. Mehr dazu hier.

Gewiss, als Frage formuliert. Der alte Boulevardzeitungstrick: Ein rhetorisches Fragezeichen macht eine Aussage unverbindlich, aber jeder weiß, was gemeint ist. Wer sich so menschenverachtend äußert, ist nicht nur auf Abwege geraten, sondern hat eine tiefrote Linie überschritten. 

Dafür habe ich weder Verständnis noch Platz in meinem Blog.

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