Die zweite Kölner Literaturnacht

Zweite Koelner Literaturnacht

Es kommt mir noch gar nicht so lange her vor, dass wir etwas nervös bangten, ob das Konzept einer Kölner Literaturnacht aufgehen würde. Einer Nacht, in der viele Kölner Literaturschaffende an den unterschiedlichsten Orten quer durch die Stadt auftreten würden. Und ich kann mich auch noch gut an die Erleichterung erinnern, als nach und nach klar wurde, dass der Plan funktionierte, dass die Literaturinteressierten das Angebot annahmen und mit dem Programmheft in der Hand von Ort zu Ort pilgerten. So, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das war im Mai 2019.

Und jetzt haben wir es wieder getan: Das Programm für die 2. Kölner Literaturnacht steht; die Hefte werden überall in der Stadt verteilt, die Webseite ist online. Stattfinden wird die Literaturnacht am 9. Mai 2020.

Wir – das sind die Mitglieder des Vereins Literaturszene Köln e. V., in dessen Vorstand ich mich engagiere. Ziel des Vereins ist es, das literarische Leben in der Domstadt sichtbarer zu machen. Denn in Deutschlands viertgrößter Stadt leben viele Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer, mehrere der wichtigsten belletristischen Verlage sind hier angesiedelt, man kann sowohl an der Universität zu Köln wie auch an der KHM Literarisches Schreiben studieren, es gibt Literaturstipendien, literarische Veranstaltungsreihen und eine Menge Initiativen mit großartigen Angeboten zum Thema Literatur.

In der öffentlichen Wahrnehmung bleibt vieles davon manchmal ein wenig unter dem Radar, ist Kölner Kulturinteressierten nur teilweise bekannt – und hier setzt die Kölner Literaturnacht an. Denn alleine das Durchstöbern des Programms zeigt die ganze Vielfalt des literarischen Lebens in Köln.

Was erwartet die Besucher der 2. Kölner Literaturnacht? Die Bandbreite ist riesig, und ich picke einmal wahllos ein paar Beispiele heraus.

Die Autorin Melanie Raabe spricht in der Zentralbibliothek mit Mona Ameziane über ihren neuen Roman »Die Wälder«.

Die Lyriker Jürgen Becker und Barbara Maria Kloos treten in der Kunststation St. Peter erstmals gemeinsam auf.

Im Literaturhaus Köln gibt es Speed-Dating mit den Autoren Markus Berges, Ulrike Anna Bleier, Thorsten Krämer und Annette Wieners. Jeder Teilnehmer kann mit ihnen jeweils fünf Minuten über Literatur reden oder sich etwas vorlesen lassen.

Ein Werkstattgespräch mit dem Autor und Illustrator Nikolaus Heidelbach findet in der Buchhandlung Klaus Bittner statt.

Das Theater die wohngemeinschaft bietet Literaturklubbing an – mit Christoph Danne, Anna Pia Jordan-Bertinelli und Adrian Kasnitz.

Im El-De-Haus, dem NS-Dokumentationszentrum in der ehemaligen Kölner Gestapo-Zentrale, liest Doğan Akhanlı aus seinem Roman »Madonnas letzter Traum«.

Bachtyar Ali tritt in der Galerie Anja Knoess auf. Es geht um seinen neuen Roman »Perwanas Abend«, aber auch um die Lyrik seines verstorbenen Freundes Sherko Bekas.

Am Tag vor der Literaturnacht jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. Dies nehmen wir zum Anlass, um im Comedia Theater in der Kölner Südstadt, Texte zum Thema Köln im Zweiten Weltkrieg vorzustellen – Tagebuchauszüge, Reportagen, Zeitzeugenberichte. Es lesen Mariele Millowitsch und Philipp Schepmann.

Ebenfalls im Comedia Theater berichtet der Filmemacher Heinrich Breloer über seine Annäherung an Bertolt Brecht. Eine Art Reisebericht.

Die Autorin Husch Josten und die Literaturkritikerin Margarete von Schwarzkopf reden in der Buchhandlung Goltsteinstraße über Romananfänge – quer durch die Literaturgeschichte und die Genres.

Das Who is who der Kölner Comicszene nimmt das Hinterzimmer der Traumathek in Beschlag, ganz nach dem Motto »ständig zeichnet irgendwer«.

Die Initiative Insert Female Artist veranstaltet im Cleanicum Waschsalon eine szenische Lesung zum Thema Literatur und Sorgearbeit. »Care? Work!« lautet der Titel.

Vier Kölner Literaturzeitschriften stellen sich vor: In der Kneipe »Die hängenden Gärten von Ehrenfeld« sprechen die Herausgeber von KLiteratur, KURZE (KHM), schliff (Uni Köln) und And She Was Like: BÄM! über ihre Arbeit.

Um das wunderbare Buch »Nachts nicht weit von wo« geht es im Hostel Weltempfänger. Die Sammlung von Lyrik und Prosa zusammen mit vielen großartigen Photos aus dem nächtlichen Kölner Stadtteil Ehrenfeld ist ein wahres Gesamtkunstwerk.

Das Veranstaltungsprogramm liegt neben mir, ich blättere darin und könnte jetzt noch eine ganze Weile weitere Beispiele aufführen – das ist bisher nur ein kleiner Bruchteil des Literaturangebots am Abend des 9. Mai 2020. Das gesamte Programm findet ihr unter koelner-literaturnacht.de. Insgesamt sind es 121 Veranstaltungen mit 170 Autorinnen, Autoren und Akteuren an 57 Orten in der ganzen Stadt. An einem langen Abend. Und das alles mit einem einzigen Ticket für 21 Euro (ermäßigt 15 Euro), das für alle Veranstaltungen gilt.

Sehen wir uns? Ich würde mich sehr freuen!

#kölnerliteraturnacht

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