Buchblog-Award, Buchmesse und Adrenalinrausch

So. Jetzt muss ich das endlich mal aufschreiben, damit ich es schwarz auf weiß lesen kann: Auf der Frankfurter Buchmesse 2017 wurde der Kaffeehaussitzer mit dem Hauptpreis des 1. Buchblog-Awards ausgezeichnet.

Ich bin immer noch überwältigt. Da fängt man aus einer Laune heraus an, einen Literaturblog zu betreiben, erschafft sich mit Hilfe der sechsundzwanzig Buchstaben des Alphabets ein virtuelles Zuhause – und steht viereinhalb Jahre später auf einer Tribüne vor hunderten von applaudierenden Menschen, um einen Preis für den besten deutschsprachigen Buchblog entgegenzunehmen. Ich habe den Rest des Tages im Adrenalinrausch verbracht, bin spätabends zurück nach Köln gefahren und war am nächsten Morgen schon wieder wach, als es noch dunkel war. Den Tag habe ich mit einem langen Spaziergang am Rhein verbracht, bin später durch verschiedene Buchhandlungen gebummelt und anschließend in einem meiner Kölner Lieblingscafés gelandet. Klar, wo sonst?

Jetzt, ganz langsam bekomme ich die Gedanken für diesen Beitrag etwas geordnet. Zuerst möchte ich sagen, dass ich mich nicht als einzigen Gewinner sehe. Vielmehr habe ich das Gefühl, den Buchblog-Award stellvertretend für die zahllosen Buchblogs in Empfang genommen zu haben, die in ihrer unglaublichen Fülle und Unterschiedlichkeit die Welt der Literatur seit einigen Jahren so viel bunter machen. Der vom Börsenverein des Deuschen Buchhandels gemeinsam mit dem Online-Service NetGalley ins Leben gerufene Buchblog-Award ist eine Würdigung und Anerkennung für all den Enthusiasmus und all die Literaturbegeisterung, die Tag für Tag durch das Netz strömt. Gleichzeitig fühle ich mich natürlich unglaublich geehrt und bin sehr stolz darauf, dass ausgerechnet der Kaffeehaussitzer diesen Preis erhalten hat.

Zusammen mit dem Kaffeehaussitzer wurde Florian Valerius, der als Literarischer Nerd auf Instagram über Bücher schreibt und für Literatur begeistert, mit dem Sonderpreis des Buchblog-Awards ausgezeichnet. Dieser Preis wurde für einen Vlog, Instagram-Account oder einen Podcast zum Thema Bücher vergeben.

Die Jury bestand aus Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg, Buchhändlerin und Bloggerin Sarah Reul, Autorin und Redakteurin Elisabeth Rank, dem Social-Media-Verantwortlichen der Süddeutschen Zeitung Dirk von Gehlen und Frank Krings, PR-Manager der Frankfurter Buchmesse. Eine illustre Runde und die spannende Zusammensetzung war nicht zuletzt der ausschlaggebende Grund, mich für den Award zu bewerben.

Die Preisverleihung wurde von Verlegerin und Orbanism-Frontfrau Christiane Frohmann  mit einer Ansprache eingeleitet. Ich schätze sie sehr, muss aber trotzdem gestehen, dass ich vor lauter Aufregung nicht immer zugehört habe – denn direkt neben ihr saß Sarah Reul, die als Jurysprecherin die beiden Umschläge mit den Gewinnern in den Händen hielt. Sie erläuterte im Anschluss die Jury-Arbeit, die intensiven Diskussionen und die knapp, aber einstimmig getroffenen Entscheidungen. Dann wurde es spannend. Sie meinte noch, dass sie gleich jemand mit feuchten Augen neben ihr stehen sehen möchte und sie wusste gar nicht, wie recht sie mit dieser Prognose hatte. Jetzt kann ich ja erzählen, dass ich sehr nah am Wasser gebaut bin und ich zu den Menschen gehöre, die bei rührseligen oder besonders feierlichen Momenten schnell mal eine Träne dezent wegwischen müssen. Aber lassen wir das.

Als der Name Kaffeehaussitzer fiel, konnte ich es einen kurzen Moment gar nicht glauben, aber dann setzte der oben beschriebene Adrenalinrausch ein. Der wohl immer noch anhält, wenn ich mir anschaue, was ich da gerade zusammenschreibe.

Dann explodierten die Timelines von Twitter, Facebook und Instagram. Und vor Ort ein einziges Händeschütteln, Umarmen und Schulterklopfen. Der totale Wahnsinn.

Mein großes Dankeschön geht an alle Leserinnen und Leser des Kaffeehaussitzers, an all die sympathischen Menschen, die ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte, egal ob im Netz, im „realen“ Leben oder in beiden; Menschen, die eines vereint: Die Liebe zum geschriebenen Wort. Schön, dass es Euch gibt!

Meinen Shortlist-Mitkandidatinnen und -Kandidaten möchte ich sagen: Es war mir eine große Ehre, mit Euch zusammen die Shortlist erreicht zu haben. Es sind dies die Blogs Book Broker, Brösels Bücherregal, Die Buchbloggerin, literaturcafe.de, pageandme und Papier und Tintenwelten. Und für den Sonderpreis waren neben Literarischer Nerd die Kanäle Bücherwunder, BuchGeschichten, Durch die Gegend, Goldschrift, Pierre Petermichl und VersTand nominiert. Schon alleine diese beiden Shortlists zeigen, wie vielfältig man sich dem Thema Literatur nähern kann.

Ein herzliches Dankeschön an die Ausrichter des Buchblog-Awards und an alle an der Durchführung Beteiligten. Sicherlich wird es die ein oder andere Stellschraube geben, an der beim nächsten Mal gedreht werden sollte. Aber der Preis ist jetzt in der Welt und wird die Buchblog-Szene wieder ein Stück weiter hinein in den Literaturbetrieb rücken. Der Kaffeehaussitzer freut sich, hier der erste von hoffentlich noch vielen weiteren mit dem Buchblog-Award ausgezeichneten Blogs zu sein.

Ganz zum Schluss gibt es noch eine Erinnerung.

1993 besuchte ich das allererste Mal die Frankfurter Buchmesse. Damals war ich seit drei Monaten Buchhändler-Azubi, lief mit großen Augen durch das endlos wirkende Getümmel und war begeistert. An diesem Tag wurde mir klar, dass ich nie in einer anderen Branche arbeiten möchte. Und ich stellte mir vor, dass ich eines Tages über diese Messe laufen und überall Bekannte und Freunde treffen würde. Beides ist so gekommen.

Aber die Entgegennahme des Buchblog-Awards ist jetzt noch einmal eine ganz andere Dimension gewesen. Und es ist immer wieder spannend, was das Leben an Überraschungen für einen bereithält.

27 Antworten auf „Buchblog-Award, Buchmesse und Adrenalinrausch“

  1. Hallo Uwe,
    freue mich so für Dich!
    Du betreibst diesen Blog mit so viel Herzblut und verfasst selbst immer wieder wunderbare Texte, so dass mir das Lesen Deines Blogs für sich alleine schon unglaublich viel Freude bereitet.
    Schon eit langem hole ich die Anregungen für neue Bücher aus Deinem Blog. Du machst Lust aufs Lesen und daher hast Du diesen Preis sowas von verdient.
    Ich bin gespannt, wohin Dich Deine Reise hin führt.
    Liebe Grüße aus Lahr
    Andreas

    1. Lieber Uwe,

      herzlichen Glückwusch!!!

      Du hast es Dir verdient. Man kann in Deinem Blog die Geschichten und Dinge richtig mit erfühlen. Eine tolle Sache, die viele begeistert und auch mich :) .

      Liebe Grüße, Sabine

  2. Lieber Uwe,
    herzlichen Glückwunsch auch von mir. Dein Blog hat die Auszeichnung wohlverdient, und ich hoffe, daß die mittlerweile auf Twitter aufkeimende Männer-Frauen-Debatte Dir die Freue an der Auszeichnung nicht vermiesen wird.
    Ich freue mich auf weitere „Kaffeehausstunden“!
    Viele Grüße
    Norman

  3. Herzlichen Glückwunsch, lieber Uwe Kalkowski!

    Du hast aber auch wirklich einen schönen Blog, und Deine Beiträge sind immer sehr angenehm zu lesen – vor allem, weil sie immer wertschätzend sind. Das gefällt mir gut.

    Viele Grüße,
    Anton

  4. Gratuliere Bruderherz, ich bin mächtig stolz auf dich! Ich habe mich wahnsinnig für dich gefreut, als ich das Award—Ergebnis gelesen habe.
    Liebe Grüße, Detlef

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