Gespenster der Vergangenheit

Antonin Varenne: Die sieben Leben des Arthur Bowman

Zwischen 1852 und 1864 spielt Antonin Varennes Roman »Die sieben Leben des Arthur Bowman«. Das Schicksal führt den Helden der Geschichte – eben jenen Arthur Bowman – einmal um den halben Globus, von den triefenden Sumpfwäldern an der Küste Birmas über die Straßen Londons bis zu den Weiten des amerikanischen Westens. Auf eine irrwitzige Jagd nach einem Mörder und auf eine Reise zu sich selbst. „Gespenster der Vergangenheit“ weiterlesen

Erst schießen, dann fragen

Bruce Holbert: Einsame Tiere

Den Wilden Westen betrachtet man gemeinhin als eine Epoche des 19. Jahrhunderts. Nach der Lektüre von Bruce Holberts »Einsame Tiere« weiß ich, dass dies nicht stimmt. Der Roman spielt zu Beginn der 1930er-Jahre im Okanogan County, einer abgelegenen Gegend nahe Kanada im US-Bundesstaat Washington. Auf den ersten Blick meint man, dass auch hier moderne Zeiten angebrochen sind, es gibt schließlich Elektrizität, Autos, Mähdrescher und Telefone. Aber es ist ein Grenzland. Und zwar gleich auf dreifache Weise. Die Grenze zwischen den USA und Kanada verläuft hier. Indianerreservation und Farmland der Weißen stoßen aneinander. Und die Vergangenheit des Wilden Westens grenzt an das 20. Jahrhundert. „Erst schießen, dann fragen“ weiterlesen

In Bewegung bleiben

Nic Pizzolatto: Galveston

»Du wirst geboren und vierzig Jahre später humpelst du aufgeschreckt von deinen Wehwehchen aus einer Bar. Niemand kennt dich. Du fährst über nachtschwarze Highways und erfindest ein Ziel, denn es kommt darauf an, in Bewegung zu bleiben. Deshalb steuerst du auf das Letzte zu, was du zu verlieren hast, ohne eine Ahnung, was du damit anfangen sollst.« Klingt ziemlich düster. Ist es auch. So wie es eben sein muss, denn Nic Pizzolatto hat mit »Galveston« einen ganz und gar großartigen Noir-Krimi geschrieben. „In Bewegung bleiben“ weiterlesen

Chiles 11. September

Roberto Ampuero: Der letzte Tango des Salvador Allende

Das Datum 11. September ist heute untrennbar mit den Ereignissen im Jahr 2001 verknüpft, durch die sich die Welt veränderte und die USA hochgradig traumatisiert wurden. Aber 28 Jahre zuvor gab es schon einmal einen 11. September, und damals waren die USA nicht Opfer, sondern Täter oder zumindest Anstifter und Unterstützer. Es war im Jahr 1973, als der Oberbefehlshaber der chilenischen Streitkräfte Augusto Pinochet durch einen Staatsstreich die Macht an sich riss und den Präsidenten Salvador Allende gewaltsam aus dem Amt putschte. Allende kam dabei ums Leben, eine Schreckensherrschaft Pinochets und seiner Militärjunta folgte, bei der Tausende von Menschen ermordet wurden. Die Aufarbeitung dieser Ereignisse dauert an. Bis heute.

Der Roman »Der letzte Tango des Salvador Allende« des chilenischen Schriftstellers Roberto Ampuero führt uns hinein in diese dramatische Zeit, es ist ein bewegendes Buch über ein Land im Umbruch. „Chiles 11. September“ weiterlesen

Mit Alma im Kaffeehaus

Daniel Woodrell: In Almas Augen

»Das Haar war weiß, mit Grau verschmiert, die Farbe einer Zeitung, die im Regen liegt, bis die Schlagzeilen über das Papier geflossen sind.« So beschreibt Daniel Woodrell gleich auf der ersten Seite seines Romans »In Almas Augen« die Hauptperson der Geschichte, Alma deGeer Dunahew. Es ist nur ein einziger Satz, der eine ältere Dame vor unserem Auge entstehen lässt, ein wenig eigen, nicht besonders adrett. Ich habe sie ins Kaffeehaus ausgeführt. „Mit Alma im Kaffeehaus“ weiterlesen

Gangster mit Stil

Dennis Lehane: In der Nacht

»Das Buch mit dem Hut.« So beschreibt der Buchhändler Il_Libraio auf Twitter den Roman »In der Nacht« von Dennis Lehane. Es war in der Tat der Hut auf dem Buchcover, der mich das Buch kaufen ließ. Er rief sofort Bilder wach, die zu meiner visuellen Grundausstattung gehören. Durch Filme wie »Es war einmal in Amerika«, »Untouchables«, »Road to Perdition«, »Last Man standing« oder »Lawless« hat sich ein bestimmter Stil im Hinterkopf etabliert, der sofort Assoziationen weckt an die Zeit der Prohibition in Amerika, an den Alkoholschmuggel. An Gangster mit Maschinenpistolen, aber immer in stilvoller Kleidung. „Gangster mit Stil“ weiterlesen

Große Gefühle in Wisconsin

Shotgun Lovesongs

»Shotgun Lovesongs« von Nickolas Butler ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Heimat und die Lebensentwürfe von fünf Freunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Große Gefühle in dem 1.500-Einwohner-Städtchen Little Wing in Wisconsin, einer amerikanischen Kleinstadt, die zu veröden beginnt, umgeben von Sojafeldern, Rinderweiden und Maisplantagen. Das ist das Zuhause von Henry, Beth, Ronny, Kip und Lee. Sie sind dort aufgewachsen und kennen sich schon ihr ganzes Leben. „Große Gefühle in Wisconsin“ weiterlesen

Wilder Westen unplugged

Wolfgang Büscher: Hartland

Ab und zu blättere ich im Globetrotter-Magazin. Es ist faszinierend, was es alles an Outdoor-Produkten gibt und wie viele ach so überlebenswichtige Dinge man unbedingt zum Wandern benötigt. Theoretisch. Man kann aber auch einfach seinen alten, abgewetzten Rucksack packen, loslaufen und dann monatelang ein Land erkunden. So hat es Wolfgang Büscher in den USA gemacht und er berichtet in seinem Buch »Hartland« eindrucksvoll darüber. Er ist der Fußgänger unter den Reiseschriftstellern. Nachdem er von Berlin nach Moskau gelaufen ist, dann einmal Deutschland komplett an den Grenzen entlang umwandert hat, war der USA-Trip sein nächstes großes Projekt. „Wilder Westen unplugged“ weiterlesen

Könige der Lässigkeit

Don Winslow: Kings of Cool

Dieses Buch ist, naja, einfach cool. Ich weiß, das war jetzt ein etwas schwacher Einstieg, aber es handelt sich dabei um ein Buch, das man schon als Gegenstand einfach haben muss. »Kings of Cool« von Don Winslow ist wunderschön gestaltet: Ganz in schwarz, sogar der Buchblock ist ringsum eingefärbt, ein Einband in Samtanmutung mit plakativ eingeprägter weißer Schrift. Ein großes Kompliment an die Herstellungsabteilung des Suhrkamp-Verlags. „Könige der Lässigkeit“ weiterlesen