Auf dem Literaturschiff

leseschiff_capusAchtung! Das hier ist ein vollkommen unsachlicher Beitrag voller Begeisterungsstürme, geht es doch um einen nahezu perfekten Nachmittag. Es ist die im Text über „Zürich liest 2016“ versprochene ausführliche Schilderung der Lesung von Alex Capus während einer ausgedehnten Bootsfahrt über den Zürichsee. Wobei es „Lesung“ nicht ganz trifft. Aber der Reihe nach.

Der Kaffeehaussitzer war einer von fünf Bloggergästen, die das Lesefestival „Zürich liest 2016“ im Netz begleitet haben – zusammen mit Pinkfisch, Die Buchbloggerin, Buzzaldrins Bücher und Kapri-ziös. Der Festivalsamstag war der Höhepunkt des Lesefests und wir waren zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen ausgeschwärmt. Ich freute mich besonders auf die angekündigte Schifffahrt weit hinaus auf den Zürichsee und machte mich rechtzeitig auf in Richtung Anlegestelle. Die Sonne schien und hatte vergessen, dass eigentlich Ende Oktober war; aus dem altehrwürdigen Kaffeehaus Odeon kommend überquerte ich den zentralen Bellevue-Platz, Straßenbahnen ratterten vorbei, Menschen liefen, hasteten, schlenderten vorüber, pulsierendes Leben überall. Direkt nebenan ging es über einen Steg auf das Schiff.

Was mir in der Schweiz besonders gut gefällt, ist der gesellige Brauch des Apéro – wie man es auch aus Frankreich kennt, oder wie ich es auch schon in Italien erlebt habe. Zu Beginn von Veranstaltungen oder bei geeigneten Anlässen (in Italien reichte ein Sonnenuntergang…) gibt es einen zwanglosen Imbiss, ein Glas leichten Weines dazu, man plaudert und freut sich auf den Abend. Und genau so war es auf dem Literaturschiff. In der verglasten Ausflugsboot-Kabine waren auf beiden Seiten der ganzen Länge nach Tische gedeckt. Häppchen, Knabberzeugs, Wasser und Weißwein standen auf weißen Tischdecken bereit. Schnell füllte sich das Schiff, man saß dicht beisammen, Weinflaschen wurden geöffnet, die Stimmung war ausgesprochen gut, in ausgelassener Vorfreude auf die kommende Lesung. Dann legte das Schiff ab und Alex Capus betrat die große Kabine, in der Hand sein Buch „Das Leben ist gut“.

Ein Buch, in dem eigentlich nichts passiert, das aber trotzdem einen Spannungsbogen aufbaut und sich auf eine entspannte Art und Weise mit schweren Themen beschäftigt. Etwa mit dem Gefühl von Heimat, mit dem Verwurzeltsein, mit der Suche nach dem Glück und seinem Platz im Leben. Es geht darin um einen Schweizer Schriftsteller, der nicht mehr schreibt, sondern sich mit dem durch seine Bücher verdienten Geld eine spanische Bar in einer mittelgroßen Stadt gekauft hat und davon lebt. Als seine Frau eine Tätigkeit in Paris annimmt und erst einmal nur am Wochenende zu Hause ist, hat er plötzlich viel Zeit über sein Leben nachzudenken und wir begleiten ihn 240 Seiten lang dabei. Das ist im Prinzip der Inhalt des Buches.

Auftritt Capus also. Ein lässiger Typ, wie er da vor seinem Publikum steht und als erstes fragt, ob er hochdeutsch oder schweizerdeutsch sprechen soll. Keine Ahnung, ob außer mir noch viele andere Gäste aus Deutschland auf dem Schiff sind, aber als ein am Bodensee Aufgewachsener verstehe ich Schweizerdeutsch gut – und es klingt für mich immer ein bisschen nach meiner Kindheit. Als sich niemand meldet legt er los, auf Schweizerdeutsch, was seine Lässigkeit irgendwie noch unterstreicht.

Es wird gleich persönlich. Alex Capus nämlich lebt in Olten – einer mittelgroßen Stadt – und ist dort Besitzer einer Bar. Einer spanischen Bar. Er erzählt davon. Schildert den Tagesablauf seines Montags, der Wochentag, an dem er selbst Bar-Dienst hat. Wie er mit einem alten Handkarren das Altglas wegbringt, wie er die Stille in der noch geschlossenen Bar genießt, wie er das alte Haus, in dem sich die Bar befindet, nach und nach liebevoll renoviert hat. Liebevoll ist das Stichwort, denn er ist regelrecht verliebt in seine Bar. Liebt Arbeiten, die „echt“ sind, die mit den Händen gemacht werden.

Wie es der Zufall will, gibt es große, wenn nicht sogar sehr große Übereinstimmungen zwischen ihm und dem Protagonisten seines Buches. Alle Anwesenden wissen das, hat sich doch sogar die Schweizer Klatschpresse ausführlich darüber ausgelassen. Capus spielt gekonnt mit der Tatsache, dass jedem im Raum klar ist, dass er zwar über sich redet, aber das Buch meint. Oder aus dem Buch liest, dabei aber über sich redet.

Die Stimmung ist großartig, wir sind inzwischen weit draußen auf dem See, die herbstliche Nachmittagssonne steht schon tief und schickt ihre Strahlen in das Schiff hinein. Der Wein schmeckt.

Alex Capus erzählt weiter vom Verlauf seines Montags, von den Arbeitsabläufen in der Bar, von Gesprächen mit Freunden an der Theke, beschreibt, wie er das Beruhigende der Routinearbeiten genießt, das Vertraute seiner Umgebung, schildert viele Anekdoten aus seinem Leben – und aus der Bar. Die alle so mehr oder weniger im Roman vorkommen. Abwechselnd dazu liest er aus seinem Buch. Er liest die Stellen, in denen es um die Liebe geht und um die Ehe des Protagonisten. Um das Familienleben. Und eine tiefe Zuneigung spricht aus jedem Satz. Capus verknüpft damit brillant Realität mit Fiktion, sein Leben mit dem Roman und hebt beides zusammen mit der Kritik an eben dieser Verknüpfung auf eine neue Ebene. Großartig. In meinem Beitrag über „Das Leben ist gut“ hatte mich die Vermischung Privatleben mit Romanhandlung auf eine unbestimmte Art etwas gestört – nach dem Auftritt des Autors ist dieses leise Gegrummel im Hinterkopf verstummt.

Viel zu schnell geht die Zeit vorüber, alle sind begeistert, amüsieren sich über Capus‘ Anekdoten, genießen den Nachmittag. Ein Autor als begnadeter Entertainer – diese Kombination gibt es nicht allzu häufig. Schließlich ist die Lesung, ist der Auftritt vorüber, wir nähern uns wieder dem Landeplatz am Zürcher Ufer. Die Stadt breitet sich vor uns aus, wir stehen an Deck, die Luft ist inzwischen kühl geworden und die Sonne verschwindet in einem Strahlenkranz hinter den Bergen.

Ich betrete wieder das Land, noch ganz aufgekratzt von dem Erlebten und der unvergleichlichen Stimmung auf dem Schiff laufe ich durch Zürich, immer an der Limmat entlang. Lasse die prächtigen Fassaden auf mich wirken, genieße die wunderschöne Abendstimmung, die blaue Stunde über dem See. An vielen Plätzen stehen Maronen-Verkäufer, der Duft der gerösteten Kastanien vermischt sich mit dem Geruch des Rauchs. Ich kann nicht widerstehen, hole mir eine Tüte warmer Maronen, gehe immer weiter, genieße den perfekten Moment. Es ist Herbst, ich bin glücklich und das Leben ist gut.

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Buchinformation
Alex Capus, Das Leben ist gut
Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-25267-7

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Ermittler mit Scheuklappen

kutscher-lunaparkEs gibt wenig Bücher, in denen Zeitgeschichte so lebendig wird, wie in der Buchreihe um den Ermittler Gereon Rath. Ich mag diese Reihe sehr und habe mich bereits mehrmals auf Kaffeehaussitzer damit beschäftigt. Sie ist ein spannendes und faszinierendes Projekt, denn der Autor Volker Kutscher schafft es darin, die verhängnisvollsten Jahre in der deutschen Geschichte am Beispiel seiner Protagonisten zu erzählen. Gemeinsam mit Gereon Rath erleben wir das Ende der Weimarer Republik und den Weg in die Dunkelheit der Nazi-Diktatur. Und das alles verpackt als spannende Kriminalfälle mit akribisch recherchiertem historischen Hintergrund. Der Roman „Lunapark“ spielt im Jahr 1934 und ist der sechste Band der Reihe; die Nationalsozialisten sind dabei ihre Macht weiter zu festigen, die SA terrorisiert die Bevölkerung, das Bürgertum – ursprünglich froh, der kommunistischen Gefahr Herr geworden zu sein – beginnt zu realisieren, auf was für eine Art Staat Deutschland unaufhaltsam zusteuert.

Inzwischen ist es schon fast so, als würde man einen alten Bekannten treffen, wenn man Gereon Rath nach dem Aufschlagen des Buches bei seinem sechsten Fall wieder begegnet. Ein Rheinländer aus Köln, den es nicht ganz freiwillig nach Berlin verschlagen hat, der mit dieser Stadt in einer Art Hassliebe verbunden ist, mit seiner schnoddrigen rheinischen Mentalität immer wieder aneckt. Und der buchstäblich seine Leichen im Keller hat. Denn Volker Kutscher hat mit Gereon Rath keine Lichtgestalt geschaffen, sondern einen ambivalenten Helden, der unkonventionell ermittelt – manchmal schon fast zu unkonventionell – und dabei Regeln und Gesetze großzügig auslegt. Was ihn immer wieder mit sich hadern lässt, denn Verstrickungen, Abhängigkeiten und Lügen bestimmen sein Leben immer mehr. Dass in dem neuen Staat Regeln und Gesetze sowieso nicht mehr gelten, macht die Sache nicht einfacher. Zumal Gereon Rath nach anfänglicher Empörung über die „Machtübernahme“ vieles nicht wahrhaben möchte, was sich rund um ihn ereignet. Er ist Polizist und Polizeiarbeit hat mit Politik nichts zu tun. Denkt er. Und belügt sich selbst, redet sich seine Welt schön.

In „Lunapark“ wird diese Lebenslüge immer brüchiger, der Nazi-Alltag dringt von allen Seiten in Gereon Raths Leben ein. Ziehsohn Fritze begeistert sich für die HJ und für den Gedanken, dass die Jugend tatkräftig ein neues Deutschland aufbauen wird, sein alter Kollege Reinhold Gräf, mit dem er lange freundschafltich verbunden war, ist jetzt bei der gefürchteten Gestapa – wie die spätere Gestapo ursprünglich hieß – und strebt eine Karriere in der SS an. Zeugenaussagen kommen unter Schlägen und durch Folter zustande, bei Übergriffen der SA wird weggesehen. Überhaupt entwickelt sich die SA, dieses Sammelbecken sadistischer Schläger, immer mehr zu einem Staat im Staate. Der sogenannte „Röhm-Putsch“, mit dem Ende Juni und Anfang Juli 1934 auf Befehl Hitlers zahlreiche SA-Oberen, aber auch andere mißliebige Personen ermordet wurden und der anschließend der SS den Weg zu einer tödlichen Staatsmacht bahnte, spielt im Buch eine wichtige Rolle.

Der titelgebende Lunapark war ein riesiger Berliner Vergnügungspark, der 1934 stillgelegt und ein Jahr darauf abgerissen wurde. In den leerstehenden Gebäuden und Anlagen auf dem weitläufigen Gelände versteckten sich flüchtige Kommunisten und andere Nazi-Gegner. Und ein Serienmörder, dem Gereon Rath auf der Spur ist. Doch so einfach ist das alles nicht, denn der Fall hat eine politische Dimension, da es um ermordete SA-Männer geht. Die Gestapo ist mit im Spiel, Rath muss sich zähneknirschend unterordnen und versucht, auf seine Art zu ermitteln – was aber zunehmend schwieriger wird. Dazu kommen weitere Handlungsstränge, die gekonnt miteinander verknüpft werden: Das organisierte Verbrechen, das auch durch die rigorose Vorgehensweise der Nazis nicht ganz verschwunden ist und jetzt vorsichtig wieder den Kopf hebt, Raths zweifelhaftes Verhältnis zum Gangsterboss Johann Marlow, eine Ehekrise im Hause Rath. Die auch politische Dimensionen erhalten wird, da Charlotte „Charlie“ Rath im Gegensatz zu ihrem Mann keine Scheuklappen trägt, was das Nazi-Regime betrifft. Gereon Raths Leben war bisher schon nicht geradlinig gewesen, aber jetzt gerät es endgültig ins Schlingern. Am Ende wird der Fall zwar gelöst, ein paar Brücken in die Vergangenheit werden aber auch abgebrochen sein. Und seine Zukunft ist wieder ein Stück ungewisser.

Dazu kommt die schon genannte stetige Nazifizierung der Gesellschaft, die Drangsalierung Anderdenkender und jüdischer Deutscher, die immer heftigere Formen annimmt. Gereon Rath will seinen Weg gehen, aber wie lange kann er noch wegschauen? Das ist eine Frage, deren Beantwortung sich vage andeutet, auf die der Leser aber wohl noch die nächsten Bände abwarten muss. Und nachdem ich „Lunapark“ zu Ende gelesen und mich von Gereon verabschiedet habe, heißt es wieder warten. Warten bis zum nächsten Band, wenn es gleich zu Beginn wieder heißen wird: „Er zündete sich eine Overstolz an.“

Gespräch mit Volker Kutscher

Überhaupt, wie wird es mit der Reihe weitergehen? Ich hatte das große Vergnügen, Volker Kutscher für einen Blog-Beitrag im Kiepenheuer & Witsch-Verlagsblog ausführlich darüber befragen zu können. Wir sind zusammen durch Klettenberg spaziert – dem Kölner Stadtteil, in dem die Familie Rath zu Hause war – und haben über Zeitgeschichte, Politik und Gott und die Welt geredet. Er hat mir seine Planung erläutert: Neun Bände sollen es werden, wobei das Jahr 1933 eine Zäsur darstellt. Die Handlung der ersten vier Bände spielt vor diesem Schicksalsjahr, die fünf anderen Bände sind ab 1933 angesiedelt: »Damit möchte ich vor allem zeigen, dass für die Menschen damals das Leben weiterging – sofern sie nicht unmittelbar vom Nazi-Terror betroffen waren. Aber für den Großteil der Bevölkerung änderte sich erst einmal wenig. Bei manchen Dingen besser wegzuschauen oder sich zu manchen Themen besser nicht zu äußern, lernte man schnell.«

Für uns heute ist das alles schwer vorstellbar: »Die heutige Sicht auf die damalige Zeit ist geprägt von einer gewissen Arroganz. Doch wie wäre es gewesen, wenn man damals gelebt hätte? Wenn man mit all seinen Schwächen und seiner Angreifbarkeit dem ausgesetzt gewesen wäre? Es war nicht einfach, in dieser Zeit anständig zu bleiben.«

Das ist genau das, was diese Reihe für mich ausmacht: Sie vermittelt ein Lebensgefühl, das authentisch wirkt – und damit umso bedrückender. Volker Kutscher erklärt weiter: »Ich hatte die Reihe ursprünglich bis 1936 angelegt. In diesem Jahr wurde die Kriminalpolizei dem SS-Chef Himmler unterstellt. Spätestens jetzt musste es Gereon Rath klar werden, dass die ganze Sache kein gutes Ende nehmen kann. Und spätestens jetzt muss er eine Wahl treffen. Momentan weiß ich aber noch nicht, was genau geschieht. Auf jeden Fall wird die Geschichte dann noch nicht zu Ende sein…«

Es bleibt spannend.

„Unsere Demokratie muss die Fäuste oben halten“

Wenn man sich über Jahre so intensiv mit der Thematik des „Dritten Reiches“ beschäftigt hat, wie sieht man die heutige Zeit? Das ist die letzte Frage, die ich Volker Kutscher an diesem Nachmittag gestellt habe. Seine Antwort spricht mir aus der Seele und mit ihr möchte ich diesen Beitrag beenden: »Natürlich gibt es Parallelen zur heutigen Wirtschaftskrisenzeit. Doch auch wenn manche Folgen zum Teil als ähnlich empfunden werden, macht man es sich mit einem Direktvergleich zu einfach. Die Welt ist komplexer geworden und es gibt viele Dinge, die unsere westliche, freie Gesellschaft massiv bedrohen. Sorgen machen mir dabei vor allem zwei davon: Zum einen ist dies der Islamismus, der geistige Sprengsätze in den Köpfen junger, perspektivloser Menschen legt. Und zum anderen ist es die zunehmende Macht der global agierenden Konzerne und Banken, die sich jeglicher demokratisch legitimierten Kontrolle entziehen. Die Lehren, die man aus der Geschichte ziehen kann, sind eigentlich ganz einfach. Unser freiheitliches Leben kann schnell zerstört werden. Und Demokratie ist das, was wir daraus machen. Deshalb gilt es, unsere Lebensweise zu verteidigen, egal ob gegen neue Nazis, Salafisten oder globale Konzerne. Unsere Augen müssen in alle Richtungen geöffnet bleiben, um zu erkennen, woher die Gefahr kommt. Und unsere Demokratie muss die Fäuste oben halten.«

Buchinformation
Volker Kutscher, Lunapark
Verlag Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04923-7

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Der Beitrag über den Spaziergang mit Volker Kutscher erschien am 10. November 2016 auf dem Verlagsblog von Kiepenheuer & Witsch.

Hass-Botschaft

lehane-ein-letzter-drinkNormalerweise schreibe ich erst über Bücher, wenn ich sie auch zu Ende gelesen habe. In diesem Fall muss ich allerdings eine Ausnahme machen, denn bei der Lektüre von Dennis Lehanes „Ein letzter Drink“ stolperte ich über eine Textstelle, die so perfekt zur derzeitigen Situation nach der US-Präsidentenwahl passt, dass ich sie hier direkt und umgehend zitieren möchte, denn ich finde, jeder sollte sie lesen. Weiterlesen

Zehn Fragen – neun Bücher

zehnfragenÜber die eigene Lesebiographie nachzudenken, ist stets ein spannendes Unterfangen. Genau so interessant ist es, diejenige anderer Buchmenschen zu erfahren. Im Literaturblog Sätze & Schätze – dessen Besuch sowieso nachdrücklich zu empfehlen ist – gibt es deshalb zehn Fragen zu Büchern. Fragen, die sich großer Beliebheit erfreuen. Wie viele andere habe auch ich mich daran gemacht, sie zu beantworten – und muss gestehen, dass ich bei einigen ziemlich lange nachdenken musste. Die Fragen sind nämlich deutlich kniffliger, als sie auf den ersten Blick scheinen und einmal musste ich sogar passen. Aber lest selbst. Weiterlesen

72 Stunden im Literaturrausch

zuerich-liest16_rothausZürich liest“ ist das größte Lesefestival der Schweiz, das dieses Jahr vom 27. bis zum 30. Oktober stattgefunden hat. Der Kaffeehaussitzer war einer von fünf Literaturblogs, die als offizielle Kooperationspartner das Lesefest begleitet haben – auf ihren Blogs, auf Facebook und unter dem Hashtag #Zl16 auf Twitter und Instagram. So hatte ich das große Vergnügen, zusammen mit meinen Bloggerkolleginnen Sarah Reul (Pinkfisch), Friederike Kipar (Die Buchbloggerin), Mara Giese (Buzzaldrins Bücher) und Janine Rumrich (Kapri-ziös) mehrere Tage lang durch Zürich zu streifen, an vielen Lesungen und anderen Veranstaltungen teilzunehmen und 72 Stunden lang mich intensiv mit Literatur in all ihren Facetten zu beschäftigen. Denn soviel sei vorweg gesagt: Das Programm war großartig zusammengestellt. Und da wir häufig bei unterschiedlichen Lesungen oder anderen Veranstaltungen unterwegs waren, decken unsere Festivalberichte ein breites Spektrum von „Zürich liest 2016“ ab. Weiterlesen

Verlage sind keine Verwerter!

verlage-sind-keine-verwerter-1024x682Der Bundesgerichtshof hat am 21. April 2016 ein Urteil verkündet, das man getrost als Schlag ins Gesicht der Buchkultur in Deutschland bezeichnen kann.

Was war geschehen? Es ging um die Ausschüttungen der VG Wort. Bei der VG Wort gehen alle Abgaben, die für Vervielfältigung von Texten z.B. durch Kopierer in Bibliotheken oder Schulen bezahlt werden müssen, ein. Bis zu dem Urteil war es gängige Praxis, dass die jährlichen Ausschüttungen an die Rechteinhaber zwischen Autoren und Verlagen aufgeteilt wurden. Und es geht dabei nicht nur um ein paar hundert Euro im Jahr, sondern um bedeutende Summen.

Aufgrund einer Klage hat nun der BGH entschieden, dass diese bisher praktizierte Aufteilung unrechtmäßig sei und die Ausschüttung alleinig den Autoren zustehen würde. Eine Auffassung, die zwar juristisch begründbar sein mag, aber auch von einer erschreckenden Unkenntnis und Kurzsichtigkeit zeugt. Sie drängt damit Verlage in die Rolle der „Verwerter“ – und das sind sie nicht.  Weiterlesen

Ratlos mit Christian Kracht

kracht-die-totenBald startet die Bloggerreise nach Zürich, denn der Kaffeehausitzer ist einer der offiziellen Blogger-Kooperationspartner von Zürich liest 2016, dem größten Lesefestival der Schweiz, das dieses Jahr vom 26. bis zum 30. Oktober stattfindet. Ein besonderes Highlight wird die Lesung mit Christian Kracht sein, begleitet mich dieser Autor mit seinem Werk bereits seit über zwanzig Jahren. Allerdings lässt mich sein aktuelles Buch „Die Toten“ etwas verwirrt zurück. Weiterlesen

Düstere Ödnis

carlotto-am-ende-eines-oeden-tagesGiorgio Pellegrini ist wohl einer der unsympathischsten Romanhelden, denen man in einem Leseleben begegnen kann. Ein Mörder, Betrüger, Verräter, Dieb und Hochstapler – der Autor Massimo Carlotto erzählt in „Am Ende eines öden Tages“ dessen Geschichte. Und es ist kaum vorstellbar, aber als Leser beginnt man im Laufe der Story widerwillig mit dem Protagonisten mitzufiebern – vielleicht, weil man tief in eine Welt eintaucht, in der moralische Maßstäbe nicht mehr gelten. Oder zumindest so verschoben sind, dass Giorgio Pellegrinis Handlungen in all ihrer Verwerflichkeit als Mittel zum Zweck zwar nicht entschuldbar, aber nachvollziehbar werden. Ein Kriminalroman voller Sarkasmus, Zynismus und Düsterkeit. Weiterlesen

Tief in den Wäldern

saucier_freemanIn diesem Beitrag geht es um zwei Bücher, die inhaltlich und stilistisch sehr verschieden sind. Doch sie haben ein verbindendes Element: Den Wald. Oder vielmehr den Wald als Rückzugsort von der Gesellschaft, als Versteck vor anderen Menschen, weitab von allem. Im zersiedelten und straßenzerschnittenen Mitteleuropa kann man sich solche Wälder nur schwerlich vorstellen, doch mit den Romanen „Ein Leben mehr“ von Jocelyne Saucier und „Männer mit Erfahrung“ von Castle Freeman lernen wir Waldgebiete ganz anderer Dimensionen kennen. Und Lebensentwürfe, die so bei uns kaum möglich sein dürften. Weiterlesen

Blogbuster-Preis 2017

dsc_2095-1024x682Denis Scheck geht mit Bloggern auf Talentsuche. Und Klett-Cotta veröffentlicht den Preis der Literaturblogger

Auf der  diesjährigen Frankfurter Buchmesse startet der Blogbuster-Preis 2017. Eine spannende Mischung: 16 Literaturblogger, die Literaturagentur Elisabeth Ruge, der Verlag Klett-Cotta, die Frankfurter Buchmesse und der bekannte ARD-Literaturkritiker Denis Scheck suchen die literarische Entdeckung und den Debütroman des Jahres. Das Ganze nennt sich Blogbuster – Preis der Literaturblogger und ist die Chance für alle, die ein fertiges Romanmanuskript in der Schublade haben, aber noch keinen Verlag. Der Gewinner bekommt einen Agentur- und Verlagsvertrag und wird bereits im nächsten Jahr auf der Frankfurter Buchmesse seinen Roman vorstellen können. Sämtliche Details werden bei der Auftaktveranstaltung bekannt gegeben; erst dann sind Einsendungen möglich.

Als Kaffeehaussitzer freue ich mich, zum Kreis der beteiligten Blogger zu gehören.Und endlich darüber schreiben und reden zu dürfen, denn seit der letzten Leipziger Buchmesse laufen die Vorbereitungen für dieses Projekt und alle Beteiligten hatten strengstes Stillschweigen gelobt. Weiterlesen

Zürich liest 2016: Zurechtgeschnitzt

zuerich-liest-programm2016Zürich liest ist das größte Lesefestival der Schweiz. Trotzdem hatte ich es bisher nur am Rande wahrgenommen, von Köln aus gesehen liegt Zürich eben nicht gerade um die Ecke. Das wird sich dieses Jahr komplett ändern, denn als einer von fünf offiziellen Blogger-Kooperationspartnern ist der Kaffeehaussitzer vor Ort und ich freue mich jetzt schon auf intensive Literaturerlebnisse Ende Oktober. Aber es wird nicht einfach, denn die Festivalmacherinnen Janka Wüest, Violanta von Salis und Natalie Widmer haben zusammen mit ihrem Team ein äußerst abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Die Qual der Wahl, aber ein angenehmes Luxusproblem.

Wie meine Bloggerkolleginnen von Buzzaldrins Bücher, Die Buchbloggerin, Kapri-ziös und Pinkfisch habe auch ich mir im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, welche Lesungen oder Veranstaltungen in Zürich besucht werden möchten. Wegzeiten zwischen den einzelnen Locations mussten berücksichtigt, Entscheidungen bei gleichzeitig stattfindenden Termin schweren Herzens getroffen werden. Herausgekommen ist dabei eine – wie ich glaube – sehr spannende Mischung. Zurechtgeschnitzt und angepasst an den eigenen Geschmack. Weiterlesen

Das Leben in der Sevilla-Bar

Alex-Capus-Das-Leben-ist-gutObwohl ich die Werke des Autors kenne und schätze, hat erst die Besprechung der Klappentexterin dafür gesorgt, dass ich umgehend zu einer der Buchhandlungen meines Vertrauens gegangen bin und mir „Das Leben ist gut“ von Alex Capus gekauft habe. Mal kein Buch über Sinnsuche, keines mit dramatischen Wendungen oder komplizierten Beziehungskonstellationen, sondern „Lesen voller Leichtigkeit“, wie Klappentexterin Simone Finkenwirth schreibt. Und trotzdem ein Buch mit Tiefgang. Funktioniert das? In diesem Fall, in diesem Buch ja, auch wenn es nachher noch ein „Aber“ geben wird. Weiterlesen

Zeitreise in die Chaos-Epoche

Preisendoerfer-Als-Deutschland-noch-nicht-Deutschland-warIn einem anderen Beitrag hatte ich geschrieben, dass ich sofort dabei wäre, sollten eines Tages Zeitreisen möglich sein. Die Epoche, um die es ging, waren die Jahre des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts; eine Zeit, die mir in vielem als lebenswerter erscheint als unsere Gegenwart – warum, habe ich in jenem Beitrag erklärt. Nun ist so etwas mit einem Abstand von 200 Jahren schnell gesagt; wie ist es aber, wenn man diese Aussage, dieses Wunschdenken einmal überprüft? Hier hilft das Buch „Als Deutschland noch nicht Deutschland war“ von Bruno Preisendörfer weiter, das uns tatsächlich auf eine Zeitreise schickt, uns mitnimmt auf eine „Reise in die Goethezeit“, so der Untertitel.

Um es gleich vorab zu sagen: Was der Autor hier an Quellenarbeit geleistet hat, wie viele Informationen zu unzähligen Details er für dieses Buch zusammengetragen hat, das ist außerordentlich beeindruckend. Und spannend zu lesen, denn es ist keine trockene Auflistung, sondern ein lebendig erzähltes Tableau des damaligen Alltags in all seinen Facetten. Weiterlesen

Wenn der Krieg kommt

Jochen-Metzger-Und-doch-ist-es-HeimatSandheim ist ein verschlafenes Dorf in der badischen Provinz, fernab von der großen, weiten Welt. Doch im Frühjahr 1945 rollt plötzlich der Krieg darüber hinweg und verändert alles. Jochen Metzger beschreibt in seinem dokumentatorischen Roman „Und doch ist es Heimat“ schmerzhaft genau, was mit den Menschen geschieht, wenn ihr Zuhause zum Kriegsgebiet wird. So genau, dass ich immer wieder eine Pause einlegen musste, um das Gelesene zu verarbeiten. Weiterlesen

Endlich Zürich

Zuerich-liest-2016In Luftlinien-Entfernung bin ich genau 53,31 Kilometer von Zürich entfernt aufgewachsen. Und war bisher noch nie in dieser Stadt, obwohl schon so viele Freunde von der phantastischen Lage zwischen See und Bergen oder von der unverwechselbaren Atmosphäre dort geschwärmt haben. Es hat bis jetzt einfach nicht sein sollen. Wohlgemerkt, bis jetzt. Denn das wird sich bald ändern, auch wenn die Luflinien-Entfernung seit etlichen Jahren 413,35 Kilometer beträgt. Der Anlass hat einen Namen: »Zürich liest 2016«. Weiterlesen

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