Norsk Litteraturfestival

Norsk Litteraturfestival - Literaturfestival Lillehammer

Wo anfangen? Eine Literaturreise nach Norwegen liegt hinter mir; sie war so voller Eindrücke und unvergesslicher Momente, dass ich mich kaum entscheiden kann, über was ich als erstes berichten soll. Vielleicht beginne ich am besten mit einem persönlichen Highlight dieser Tage, das wiederum zurückführt in die eigene Lesebiographie, genauer gesagt zurück ins Jahr 1995. Damals ging meine Buchhändlerlehre dem Ende entgegen und ich hatte das Buch „Der Choral am Ende der Reise“ von Erik Fosnes Hansen in die Hände bekommen. Die Geschichte, die anhand der fiktiven Lebensläufe der Titanic-Musiker von den blinden Zufällen des Lebens und der Unausweichlichkeit des Schicksals erzählt, hat mich seinerzeit vollkommen begeistert und nie wieder losgelassen. Nun, dreiundzwanzig Jahre später begleitete mich dieses Buch nach Norwegen. Und in einem Restaurant hoch über den Dächern Oslos schrieb Erik Fosnes Hansen mir eine Widmung hinein.

Aber ich gehe besser einen Schritt zurück und erzähle, wie das alles zustande gekommen ist und um was für eine Reise es überhaupt geht. „Norsk Litteraturfestival“ weiterlesen

Ein finsterer Held

Jo Nesbo: Durst

Harry Hole ist zurück. Und wie. Denn Jo Nesbø schickt seinen Ermittler in „Durst“ wieder auf Mörderjagd. Vor einiger Zeit hatte ich hier schon einmal geschrieben, wie sehr ich der Krimireihe rund um diesen Kommissar der Osloer Kripo verfallen bin und daran hat sich in den letzten Jahren, nach den letzten Fällen nichts geändert. So ist es kein Wunder, dass ich pünktlich zum Erscheinungstermin eine der Buchhandlungen meines Vertrauens besuchte und es auf dem Heimweg kaum erwarten konnte, mich mit den neuesten blutigen Verwicklungen zu beschäftigen. Zwei, drei Abende später klappte ich das Buch zu und war begeistert. Und jetzt versuche ich herauszubekommen, warum eigentlich. „Ein finsterer Held“ weiterlesen

Zwei Leben in der Sackgasse

Petterson, Nicht mit mir

Vor einigen Wochen habe ich das Buch „Nicht mit mir“ von Per Petterson gelesen – und seitdem denke ich darüber nach. Vordergründig eine unspektakuläre Geschichte, zwei Männer, deren Leben nicht so gelaufen ist, wie sie vielleicht früher einmal gedacht haben. Zwei, die als Kinder und Jugendliche unzertrennbare Freunde waren, bis diese Freundschaft plötzlich endet. Einfach so. Oder eben nicht einfach so. Das ist die Frage, die zu lösen uns das Buch aufgibt.

Es ist nicht ganz einfach, über diesen Roman zu schreiben. Eigentlich passiert darin eine Menge, die Lebensläufe zweier unterschiedlicher Personen werden erzählt. Und doch bleibt das Wesentliche ungesagt. Taucht vage und unbestimmt zwischen den Zeilen auf, kaum greif- und nur schwer beschreibbar. „Zwei Leben in der Sackgasse“ weiterlesen

Über Tankstellenästhetik

Lars Mytting: Fyksens Tankstelle

Erik Fyksen ist Ästhet. Und Betreiber von „Fyksens Tankstelle“, dem Titel des Buches von Lars Mütting. Seine Leidenschaft gehört den Autos, ihren Motoren und seiner Tankstelle. Allerdings ausschließlich schönen Autos, und da seit einigen Jahrzehnten nur noch praktische, aber keine ästhetisch anspruchsvollen Autos mehr gebaut werden, hat er sein Herz an die sechziger Jahre verloren und seine Tankstelle wirkt, als sei die Zeit stehen geblieben. Er weigert sich, seine Werkstatt oder seine Verkaufsräume zu modernisieren und alles entspricht dem Klischeebild einer Tankstelle, wie es sie eigentlich gar nicht mehr gibt: Fyksen oder sein Freund und Angestellter Tor-Arne stehen mit ölverschmierten Händen, gerade aus der Werkstatt kommend, an der Kasse, es gibt Ersatzteile auf einfachen Bretterregalen an der Wand, verpackt in schmucklosen Pappkartons, vielleicht noch ein paar Süßigkeiten vor dem Tresen. Aber zum Beispiel keine Würstchen, denn „kocht deine Mutter vielleicht in der Garage?“, keine auf Hochglanz polierten Fliesen, keine belegten Brötchen, es ist eben eine Tankstelle. Ehrlich und geradlinig. „Über Tankstellenästhetik“ weiterlesen