Ein schemenhafter Gruß

Thomas Asbridge: Der größte aller Ritter - Das Leben von Guillaume le Maréchal

Gemeinhin bezeichnen wir das Mittelalter als „finster“, zum einen, weil das Leben damals oft hart, kurz und entbehrungsreich war. Zum anderen aber auch, weil wir nicht viel darüber wissen. Aus alten Handschriften, Büchern, Aufzeichnungen oder durch die Arbeit der Archäologen lässt sich zwar einiges der damaligen Lebensverhältnisse rekonstruieren. Doch direkte Lebensbeschreibungen, also noch im Mittelalter verfasste Biographien, sind äußerst rar. Und genau das macht das Buch „Der größte aller Ritter“ von Thomas Asbridge zu einem fulminanten Leseerlebnis und zu einer Reise mitten hinein in diese „finstere“ Zeit. Wobei es interessant wäre, wie ein Mensch von damals wohl die heutige Weltlage beurteilen würde. Aber das ist ein anderes Thema.

Wer war „der größte aller Ritter“? Es ist die Lebensgeschichte Guillaume le Maréchals, aufgeschrieben im 13. Jahrhundert, die erste und wohl einzige bekannte Biographie eines Ritters, die während des Mittelalters niedergeschrieben wurde. Schon die Entdeckung der mittelalterlichen Handschrift, die das Leben Maréchals detailliert beschreibt, gleicht einem Krimi. „Ein schemenhafter Gruß“ weiterlesen

Ritterdämmerung

Oliver Poetzsch: Die Burg der Koenige

Es war das perfekte Timing, kurz nach dem Jahresbeginn 2015. Viel Zeit haben und dazu ein dickes Buch, 936 Seiten, ein richtig schöner Historienschmöker. Drei Tage lang war ich abgetaucht in die Jahre 1524 und 1525. In dieser Zeit spielt „Die Burg der Könige“ von Oliver Pötzsch. Darauf aufmerksam wurde ich schon vor einiger Zeit durch eine begeisterte Besprechung im Blog Analog-Lesen und hatte mir das Buch auf Vorrat angeschafft. Um es genau für solch einen perfekten Zeitpunkt zur Hand zu haben. „Ritterdämmerung“ weiterlesen

Ein Rechtsanwalt in rauen Zeiten

Christopher J. Sansom: Die Matthew-Shardlake-Romane

Manchmal lese ich gerne historische Romane. Leider ist dies jedoch ein Genre, in dem es zu viele Bücher gibt, die besser nie geschrieben worden wären, weshalb ich für eine gute Empfehlung immer dankbar bin. In diesem Fall wurde ich in einer der Buchhandlungen meines Vertrauens auf eine großartige Buchreihe aufmerksam gemacht: Christopher J. Sansom hat mit seinen Matthew-Shardlake-Romanen das England zur Zeit Heinrichs VIII. wiederauferstehen lassen. „Ein Rechtsanwalt in rauen Zeiten“ weiterlesen

Mittelalter ohne Folklore

Holger Karsten Schmidt: Isenhart

„Isenhart“ von Holger Karsten Schmidt ist ein historischer Roman, der deutlich aus dem Einheitsbrei dieses Genres herausragt. Beurteilt man ihn nur nach dem Klappentext, wird dies nicht sofort deutlich. Dort ist von einem Serienmörder die Rede, von einem mittelalterlichen Profiler; insgesamt entsteht dadurch ein falscher Eindruck von diesem großartigen Buch. Denn es handelt sich hier nicht um einen Mittelalter-Krimi. „Isenhart“ ist viel mehr als das. „Mittelalter ohne Folklore“ weiterlesen