In Berlin gewesen. Bücher gekauft.

Deutscher Buchhandlungspreis

Die Buchhandlungslandschaft in Deutschland ist einzigartig in der Welt. Nirgendwo sonst gibt es ein solch dichtes Netz an unabhängigen und inhabergeführten Buchhandlungen. Doch das ist keine Selbstverständlichkeit, denn es sind fragile Handelsstrukturen. Unabhängige Buchhandlungen stehen unter großem Druck; auf der einen Seite das zunehmend schwierigere Umfeld in verödenden Innenstädten, steigende Kosten bei gleichbleibenden Gewinnmargen, die ohnehin nicht üppig sind, fehlende Nachfolger, wenn die altgedienten Inhaber in Ruhestand gehen. Hier springt zwar immer häufiger Thalia ein und übernimmt mittelständische Buchhandlungen, aber das geht letztendlich auf Kosten der Vielfalt. 

Vielfalt ist ein gutes Stichwort: Jede Buchhandlung in unseren Städten ist nicht nur ein Schaufenster für Literatur und Bücher, sondern trägt aktiv zur Meinungsvielfalt in unserem Land bei. Denn jede unabhängige Buchhandlung hat ihr eigenes Profil – nicht umsonst heißt der Beruf offiziell »Sortimentsbuchhändler«, geht es doch darum, ein kuratiertes Sortiment zusammenzustellen. Die Buchhandlungslandschaft ist daher ein bedeutender Teil unserer Kulturlandschaft. Um dies nicht nur ideell, sondern auch materiell zu unterstützen, gibt es seit 2015 den Deutschen Buchhandlungspreis. Eine Jury wählt dafür 118 Buchhandlungen aus, von denen hundert ein Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro erhalten, fünf Buchhandlungen ein Preisgeld von 15.000 Euro und drei Buchhandlungen ein Preisgeld von 25.000 Euro. In einer Branche, die von Idealismus bis zur Selbstausbeutung geprägt ist, sind dies handfeste Preisgelder. 

Eine feine Sache ist dieser Preis. Zumindest war er das bis zu diesem Jahr. Am 10. Februar 2026 wurden die Buchhandlungen bekannt gegeben, die den Preis erhalten sollen. Sie wurden von einer unabhängigen Jury aus 483 Bewerbungen ausgewählt. Same procedure as every year? Nicht dieses Mal. Denn knapp drei Wochen später überschlugen sich die Ereignisse und was dann geschehen ist, dürften die meisten buchaffinen Menschen mitbekommen haben. Daher soll es hier vor allem darum gehen, Stimmen und Statements zu sammeln, um zumindest einen kleinen Überblick über die Geschehnisse zu geben. 

Am 3. März 2026 erfuhren drei der 118 Gewinner-Buchhandlungen aus der Presse, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in die Jury-Entscheidung hineingegrätscht ist und sie von der Liste gestrichen hatte. Die fadenscheinige Begründung waren angeblich vorliegende Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Es handelt sich dabei um die Buchhandlungen Zur schwankenden Weltkugel in Berlin, Golden Shop in Bremen und Rote Straße in Göttingen. Alle drei führen neben der Belletristik ein fein sortiertes Sortiment an Sachbüchern, vor allem zu linken Themen. Wie genau die »verfassungsschutzrechtlichen Erkenntnisse« aussehen sollen, wurde nicht kommuniziert und ist bis heute auch nicht bekannt. Nicht einmal bei Herrn Weimer selbst, wie Patrick Bahners in der FAZ vom 6. März süffisant schrieb: »Wolfram Weimer bleibt sich treu: Er ist sich seiner Sache sicher, weil er sie nicht kennt.« Zustande gekommen sind sie durch das sogenannte »Haber-Verfahren«, eine umstrittene Vorgehensweise, bei der alles im Ungefähren bleibt und, die den Betroffenen nicht ermöglicht, sich dazu zu äußern oder auch nur Einblick zu erhalten.

Vermutlich hat bei Weimer schon das Attribut »links« für Unruhe gesorgt, gehört der Inhaber dieses für unser Kulturleben wichtigen Amtes doch zum Gründungsteam der rechtskonservativen Zeitschrift »Cicero« und ist Verfasser von Büchern mit Titeln wie »Das Konservative Manifest« oder »Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit«. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Job, bei dem es um Meinungsvielfalt geht. 

Allerdings hat sich Wolfram Weimer mit seiner Entscheidung mit der falschen Branche angelegt. Denn es ist ein ungeheuerlicher Vorgang: Weil ihm die Auswahl nicht passte, korrigiert ein Beauftragter der Bundesregierung die Entscheidung einer unabhängigen Jury. Und was unmittelbar darauf folgte, war eine wahrer Sturm der Entrüstung. Es ist kaum möglich, alle Reaktionen und Wortmeldungen zu dokumentieren, so viele sind es. 

»Rote Karte für Gesinnungsschnüffelei«

Am 4. März 2026 veröffentlichte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Dachverband unserer Branche, ein erstes Statement: »Die Kunst- und Meinungsfreiheit sind für die Arbeit der Buchhandlungen und unsere gesamte Gesellschaft von größter Bedeutung. Umso wichtiger ist es, dass Entscheidungen über Preisträger transparent und primär an kulturellen Kriterien ausgerichtet sind.« In der Süddeutschen Zeitung ergänzte Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz, dass Weimer mit seiner Vorgehensweise Weimer »die Verfassung, den Verfassungsschutz und diesen Preis« beschädige.

Ebenfalls unmittelbar nach dem Eklat schrieb die Kurt-Wolff-Stiftung – einer der maßgeblichen Initiatoren des Preises – in einer Presseerklärung: »Die drei betroffenen Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin), sind seit vielen Jahrzehnten mit ihrem Engagement und ihrem Sortiment ein fester Bestandteil des deutschen Buchhandels und jeweils bedeutende Ankerpunkte der lokalen Kulturvermittlung. Gerade diese Buchhandlungen sorgen mit ihrem Angebot abseits des Mainstreams exemplarisch für die Sichtbarkeit von Vielfalt. Sie setzen sich mit ihrer Arbeit für die in einer Demokratie grundlegenden Prinzipien Meinungsfreiheit, Freiheit von Kunst und Literatur und für die Möglichkeit der Meinungsbildung ein und haben die Auszeichnung daher mehr als verdient. Sie ihnen aufgrund von Bedenken, die nicht einmal mitgeteilt werden, vorzuenthalten ist mehr als bedenklich – auch im Hinblick auf kommende Kulturpreisverleihungen.«

Ein paar Tage später wird der Börsenverein-Landesverband Berlin-Brandenburg deutlicher: »Wir zeigen Gesinnungsschnüffelei die Rote Karte und fordern den Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien auf, seiner Aufgabe als Förderer der Kultur gerecht zu werden und nicht als Kulturkämpfer zu agieren.«

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch schreibt auf Instagram: »Mit Sorge betrachten wir den intransparenten Eingriff des BKM bei der Vergabe des Deutschen Buchhandlungspreises und die daraus folgende Stigmatisierung dreier Buchhandlungen. Dass sie ohne Angabe von Kriterien und Gründen von der Liste der Preisträger gestrichen werden, ist nicht akzeptabel. Wir erwarten eine Aufklärung seitens des BKM.«

Hanser-Verleger Jo Lendle bringt es in der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt: »Kulturpreise sind kein Ort der Terrorabwehr.«

PEN Berlin stellt in einer Presseerklärung grundsätzliche Fragen: »Hält der Kulturstaatsminister das Bundesamt für Verfassungsschutz für kompetent, die Arbeit von Kultureinrichtungen zu bewerten? Falls ja: Muss man davon ausgehen, dass demnächst Theater, die Stücke von Bertolt Brecht oder Heiner Müller spielen, oder die Wagner-Festspiele in Bayreuth vom Verfassungsschutz beobachtet werden?« Und weiter: »Lässt sich der Kulturstaatsminister in seinen Entscheidungen von der AfD oder von einer Meldestelle im Wartestand wie Nius treiben, die im Herbst eine Kampagne gegen linke Buchverlage gestartet hat?«

Rainer Moritz, langjähriger Leiter des Hamburger Literaturhauses, schreibt in einem Statement über »Die Zerstörung eines Preises«: »Vielleicht sollte man ihn daran erinnern, dass er nicht zum Staatsminister bestellt wurde, um nach amerikanischem Vorbild Kulturkämpfe anzuzetteln. Für Kultur einzutreten heißt, Vielfalt und einen sehr breiten Meinungskorridor zuzulassen, ja diesen als Bereicherung zu empfinden. Das gilt gerade für den Buchhandel, egal, ob er linke, rechte oder gar keine Überzeugungen vertritt. Staatsminister Weimer hat das nicht einmal im Ansatz verstanden.«

Die von Weimer brüskierte Jury des Deutschen Buchhandlungspreises distanzierte sich vehement von der Vorgehensweise des Kulturstaatsministers. Sie steht zu der von ihr getroffenen Auswahl und wird die drei nun leeren Plätze daher auch nicht nachnominieren. 

Gleichzeitig werden die sozialen Medien, allen voran Instagram, geflutet mit unzähligen Solidaritätsbotschaften von anderen Buchhandlungen. Eine kleine Auswahl. 

Autorenbuchhandlung Berlin: »Alle drei Buchhandlungen stehen politisch links, sind über ihren Kiez hinaus bekannt und geschätzt für ihr Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und Sexismus und stehen für eine wehrhafte Demokratie und Meinungsfreiheit. Das Eingreifen des BKM in die Entscheidung der unabhängigen Jury ist nicht nachvollziehbar und besorgniserregend.«

Buchladen am Freiheitsplatz, Hanau: »Das Schlimmste ist das Signal, das von der Maßnahme des BKM ausgeht, nämlich, dass im Kunst- und Kulturleben Wohlverhalten erwartet wird. Wenn Buchhandlungen oder Verlage dies realisieren (z.B. um prämiert zu werden, morgen vielleicht, um eine Auftragsvergabe zu erlangen), ist das mit Meinungs- und Kunstfreiheit nicht zu vereinbaren.«

Aegis Buchhandlung, Ulm: »Wo Buchhandlungen unter Verdacht geraten, gerät die Freiheit unter Druck.«

Glockenbachbuchhandlung, München: »Diesen Eingriff dürfen wir uns unabhängigen Buchläden nicht gefallen lassen und fordern die sofortige Rücknahme der Abzeichnung der drei Buchhandlungen! Sollte die Abzeichnung nicht zurückgenommen werden, ist die Glockenbachbuchhandlung am Tag der Preisverleihung aus Protest geschlossen!«

Buchhandlung Degenhardt, Mönchengladbach: »Unsere Branche steht für Meinungsvielfalt und unabhängige Buchhandlungen sind Orte des offenen, kritischen Austauschs und stehen für die Vielfalt im literarischen Betrieb.
Der Kulturstaatsminister darf nicht zensieren.«

Buchladen Neusser Straße, Köln: »Monika Grütters hat seinerzeit den Preis ins Leben gerufen. Erschreckend und peinlich – von der Ausschreibung, über Festakt bis hin zur Zensur – wie ihn Wolfram Weiner ausgestaltet.« 

Buchhandlung Kapitel Zwei, Recklinghausen: »Unsere Freude, dieses Jahr selbst unter den Preisträger:innen zu sein, fühlt sich plötzlich schal an. Wir wollen sie uns aber nicht nehmen lassen. Sondern mit ALLEN 118 nominierten Buchhandlungen auf der Buchmesse in Leipzig Vielfalt und Verbindung feiern.«

Rotorbooks, Leipzig: »Den Ausschluss der Buchhandlungen vom Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verurteilen wir auf das Schärfste!«

Buchhandlung erLesen, Würzburg: »Der Kulturstaatsminister hat drei bereits ausgewählte Buchhandlungen vom Preis ausgeschlossen – mit Verweis auf ›verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse‹. Drei renommierte, linke Buchhandlungen, die schon einige Male mit diesem Preis geehrt wurden. Ohne Stellungnahme oder weitere Erklärungen. Das ist brandgefährlich und macht ratlos und fassungslos.« Aus Protest blieb die Buchhandlung am 11. März geschlossen. 

Bücher Weyer, Köln: »Wir empfinden das als einen Akt der Willkür, der die freiheitlich demokratische Grundordnung zerstört.«

Buchhandlung Buchstabe, Neustadt (Schleswig-Holstein): »Lieber Wolfram Weimer, wir haben ein schönes Schaufenster zum Thema Meinungsfreiheit gebaut. Kommen Sie rum, lesen hilft, versprochen! Grüße gehen raus an die drei Buchhandlungen The Golden Shop, Schwankende Weltkugel und Rote Straße, die von Kulturstaatsminister Weimer vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen wurden, und an alle anderen tollen unabhängigen Buchläden, die sich wie wir gegen den Rechtsruck stellen und für eine offene Gesellschaft einsetzen!«

Buchhandlung Ute Hentschel, Burscheid: »Was bedeutet es für kulturelle Vielfalt, wenn staatliche Stellen Preisentscheidungen nachträglich verändern? Buchhandlungen sollen Orte des offenen Austauschs sein. Wenn kulturelle Anerkennung plötzlich von sicherheitsbehördlichen Einschätzungen abhängt, entsteht ein Klima, das wir aus anderen Ländern kennen: Wo Kultur still wird, weil sie nicht weiß, welche Haltung als ›riskant‹ gilt. Es geht nicht darum, extreme Positionen zu schützen, sondern darum, wie frei Kultur in einer Demokratie sein darf. … Kultur braucht Räume, in denen Vielfalt nicht als Gefahr betrachtet wird, sondern als Grundlage einer lebendigen Gesellschaft. JETZT ERST RECHT!«

Ich könnte jetzt noch sehr, sehr lange weitere Zitate von Buchhändlerinnen und Buchhändlern sammeln, die mir alle in die Instagram-Timeline gespült wurden. Ebenso die von Verlagen, Leserinnen und Lesern. Aber ich glaube, die bisher aufgeführten geben einen guten Eindruck über die Empörung quer durch die Buchhandelslandschaft. Und ich bin sehr begeistert über die vielen Reaktionen, Proteste und Solidaritätserklärungen – auch wenn ich mir wünschen würde, dass sich auch die großen Ketten dazu äußern würden.  

Nächster Akt, noch eine Schippe draufgelegt. Und noch eine.

Am 10. März ging das Drama in den nächsten Akt. Die 115 übrig gebliebenen Buchhandlungen veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie entschieden gegen die Streichung protestieren und ihre Solidarität mit den ausgeschlossenen Buchhandlungen erklären. Außerdem kündigten sie an, zusammenzulegen, um den Kolleginnen und Kollegen das gestrichene Preisgeld zu ersetzen. In der Zwischenzeit hatten die drei betroffenen Buchhandlungen angekündigt, gemeinsam anwaltlich gegen die Streichung vorzugehen.

Am Nachmittag des 10. März kam dann die Verlautbarung, dass Weimer den Festakt der Preisverleihung während der Leipziger Buchmesse abgesagt hat. Stattdessen sollen die Urkunden per Post verschickt werden. Auf BlueSky brachte es der Autor Saša Stanišić auf den Punkt: »Inkompetenz, paternalisierende Übergriffigkeit, Willkür, Illiberalität, ideologische Einflussnahme auf Kultur, überhaupt Kulturfreiheit-Feindlichkeit, und jetzt auch noch SCHISS. Wir haben so viele schlechte Politiker, aber der Typ ist ja fast Kategorie Spahn.« 

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer, dass am 11. März noch eine Schippe draufgelegt wurde – man mag es kaum glauben. Es kam heraus, dass aus dem Hause Weimer am 10. Februar 2026 an die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen eine Mail versandt wurde, die sie darüber informierte, dass sie nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden. Während gleichzeitig die Jury die drei nicht nur auf der Liste hatte, sondern zwei der Buchhandlungen sogar als »besonders herausragend« prämiert werden sollten – was einem Preisgeld von je 15.000 Euro entsprochen hätte. Es handelt sich dabei um die Buchhandlungen Golden Shop in Bremen und Rote Straße in Göttingen. Eine dreiste Lüge also von Seiten des Kulturstaatsministers, der von Tag zu Tag eine immer peinlichere Figur macht. 

Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen. Und ein Kulturstaatsminister, der mit seinem limitierten Weltbild für den Job schlichtweg nicht geeignet ist und besser heute als morgen zurücktreten sollte. Aber auch das Gefühl, eine großartige Welle der Solidarität erlebt zu haben – inzwischen kennt ganz Deutschland diese drei kleinen, unabhängigen Buchhandlungen. Festzuhalten wäre noch, dass Herr Weimer vor allem sein Amt beschädigt hat, nicht die Idee des Preises an sich. Denn diese Art der Förderung unserer Buchhandelslandschaft ist zu wichtig – und hoffentlich werden die nächsten 118 Buchhandlungen den Buchhandlungspreis aus den Händen einer anderen Person erhalten.

In Berlin gewesen. Bücher gekauft.

Am 4. und 5. März 2026 war ich beruflich in Berlin, gerade als der Eklat hochzukochen begann. Die Buchhandlung zur schwankenden Weltkugel lag nur knappe hundert Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt – was lag näher, als gegen Mittag dort vorbeizuschauen und einen Buchkauf zu tätigen. Und dort war eine Menge los: Freunde der Buchhandlung schauten vorbei, es gab Umarmungen und Gespräche, ein ARD-Reporter stand mit einem Mikro im Laden, um nach einem Statement zu fragen und ich war bei weitem nicht der einzige, der mit neuerworbenen Büchern den Laden wieder verließ. 

Denn das ist das Beste, was wir als Leserinnen und Leser tun können, um dem unwürdigen Verhalten unseres Kulturstaatsministers etwas entgegenzusetzen: Bücher kaufen. 

Und gefeiert wird trotzdem: Der Hanser Verlag hat alle 118 nominierten Buchhandlungen zur Party während der Leipziger Buchmesse eingeladen. 

Golden Shop, Fehrfeld 4, 28203 Bremen

Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7, 37073 Göttingen

Buchladen zur schwankenden Weltkugel, Kastanienallee 85, 10435 Berlin

#SupportYourLocalBookstore


Zum Weiterlesen: Hier gibt es eine Chronologie der Ereignisse. 

Die Geschichten im Kopf

Die Geschichten, die im Kopf entstehen: Gespraech mit einem Fensterputzer

Auf dem Photo dieses Beitrags sind eine Menge Fenster zu sehen. Es handelt sich um eine Teilansicht des Verlagsgebäudes von Bastei Lübbe, inmitten des Carlswerks, einem ehemaligen Industrieareal im Kölner Stadtteil Mülheim. Das 1961 errichtete heutige Verlagshaus war früher das Verwaltungsgebäude des Fabrikgeländes, bis es 2010 für die Bedürfnisse eines modernen Medienunternehmens umgebaut wurde. Hinter einem der Fenster links oben befindet sich das Büro, in dem ich für den Eichborn Verlag arbeite, der zur Lübbe-Gruppe gehört. Zwei große Bücherregale prägen das Büro, sie sind gut gefüllt mit Exemplaren für die Presse, für Blogs oder Buchhandlungen und mit einem Archiv der Eichborn-Bücher aus den letzten Jahren. Ein Arbeitsplatz, umgeben von Büchern.

Zwei Mal im Jahr geht ein Trupp Fensterputzer durch das ganze Gebäude, das sechs Stockwerke hoch ist und wohl gute hundert Meter lang – es gibt für sie eine Menge zu tun. Und da Fensterputzen nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen im Haushalt gehört, bin ich jedes Mal tief beeindruckt, mit was für einer Geschwindigkeit man eine große Scheibe reinigen kann. Üblicherweise betritt einer der Jungs das Büro, erledigt seinen Job in wenigen Minuten und ist wieder weg. Einmal aber sind wir ins Gespräch gekommen und das möchte ich hier aufschreiben. „Die Geschichten im Kopf“ weiterlesen

Die Welt der Buchblogs

Die Welt der Buchblogs

Bei der permanenten Suche nach neuen Lektüren gibt es für mich zwei wichtige Inspirationsquellen: Zum einen der Bummel durch die Buchhandlungen meines Vertrauens. Und zum anderen das Flanieren durch die bunte, vielfältige Welt der Literaturblogs. Diese Vielfalt finde ich immer wieder faszinierend und seit 2016 stelle ich in einer monatlichen Kolumne meine Fundstücke vor, die ich beim Blog-Flanieren entdecke; seien es Buchbesprechungen, Texte über die Buchbranche oder Beiträge zu gesellschaftlichen Entwicklungen.

Bis Ende Dezember 2024 erschien diese Online-Kolumne als »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« in der Zeitschrift BuchMarkt, seit Januar 2025 wird sie unter dem neuen Titel »Der Buchblog-Flaneur« bei Börsenblatt.net veröffentlicht, der Online-Ausgabe des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels, dem offiziellen Magazin der Buchbranche. Dieser Wechsel war Anfang des Jahres der Anlass, für die Print-Ausgabe des Börsenblatts einen Text über die Welt der Buchblogs zu schreiben – wie es anfing und was sich alles daraus entwickelte. In einer leicht erweiterten Version erscheint der Text nun auch hier im Blog. „Die Welt der Buchblogs“ weiterlesen

Ein Besuch im Bücherschloss

Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar

Eigentlich war dieser Blogbeitrag ganz anders gedacht. Eigentlich sollte er vor allem aus Bildern bestehen und mit wenig Text auskommen; ein großes Photoalbum sollte es sein – von einem der schönsten Bücherräume, die ich je besucht habe. Und eigentlich hatte ich geschätzt, dass auf der Speicherkarte meiner Kamera Dutzende Photos dieser Räumlichkeiten vorhanden sind. Aber da hatte ich wohl eine falsche Erinnerung im Kopf. Doch für diesen Irrtum gibt es einen Grund: Ein Gespräch. Und zwar eines, das so faszinierend war, dass ich das Photographieren schlicht und ergreifend vernachlässigt habe. Zumindest sind deutlich weniger Photos entstanden, als gedacht. Aber dafür habe ich viele Bilder im Kopf mitgenommen – und darüber schreibe ich nun. „Ein Besuch im Bücherschloss“ weiterlesen

Ein Buch für Herrn Merz. Mit einem Brief

Jens Bisky, »Die Entscheidung«: Ein Buch für Herrn Merz

Im letzten Blogbeitrag ging es um das Buch »Die Entscheidung« von Jens Bisky. Es ist ein großartiges Werk, in dem das Scheitern und das blutige Ende der Weimarer Republik geschildert werden. Unzählige darin aufbereitete historische Details ergeben ein lebendiges Bild dieser Jahre, die unsere Welt geprägt haben, bis heute. Und es wird dabei klar, dass die faschistische Terrorherrschaft des »Dritten Reichs« kein Betriebsunfall der Geschichte war, sondern bis zu einem bestimmten Zeitpunkt hätte verhindert werden können. Angesichts der Zunahme dumpfen rechtsradikalen Denkens und angesichts eines weltweit zu beobachtenden politischen Rechtsrucks hat das Buch einen aktuellen Bezug, der erschreckend ist. Besonders vor dem Hintergrund der Geschichtsvergessenheit des momentanen CDU-Kanzlerkandidaten, der aus wahlkampftaktischen Gründen den Schulterschluss mit Rechtsextremen sucht. Wie naiv kann man sein? Und wie wenig kann man aus der Geschichte gelernt haben? 

Beendet hatte ich die Buchvorstellung mit den Worten: »Vielleicht sollte ich Herrn Merz dieses Buch schicken. Und am besten beginnt er die Lektüre mit dem letzten Satz: ›Wer heute auf das Ende Weimars zurückblickt, weiß: Es ist politisch leichtfertig, nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen.‹«

Und genau das habe ich nun gemacht: Herrn Merz dieses Buch geschickt. Der Rowohlt Verlag hat mir freundlicherweise ein Exemplar dafür zur Verfügung gestellt, das ich nun per Post auf den Weg nach Berlin gebracht habe. Zusammen mit einem Brief, den ich hier wiedergebe. „Ein Buch für Herrn Merz. Mit einem Brief“ weiterlesen

Hundert beste Bücher: Der ZEIT-Kanon

Hundert beste Buecher: Der ZEIT-Kanon

Über die Zusammenstellung eines literarischen Kanons lässt sich trefflich streiten und die Frage, welche Bücher man gelesen haben sollte, beschäftigt literaturbegeisterte Menschen seit eh und je. Und klar, wenn ein Kanon wie derjenige der ZEIT den Titel »Die 100 besten Bücher« trägt, ist eine Diskussion vorprogrammiert. Spannend ist dabei, wie sich die Zusammenstellung literarischer Kanons im Laufe der Jahre ändert. Die erste ZEIT-Liste trug den Titel »Die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher«, erschien ab 1978 erst wöchentlich in der titelgebenden Zeitung und 1980 als Suhrkamp-Taschenbuch; Herausgeber war Fritz J. Raddatz. Eine Ausgabe dieses Taschenbuchs begleitet mich seit vielen Jahren und ich weiß nicht, wie oft ich darin gelesen habe. Im Herbst 2023 erschien eine aktualisierte Version dieser Liste, wobei »aktualisiert« eigentlich das falsche Wort ist – komplett überarbeitet würde besser passen. Denn die 100 Bücher wurden neu zusammengestellt; nur 24 Titel sind auch in der alten Liste enthalten, also nicht einmal ganz ein Viertel. Und diesmal trägt der Kanon selbstbewusst den eingangs erwähnten, etwas ergänzten Titel: »Die 100 besten Bücher – Die neue ZEIT-Bibliothek der Weltliteratur«. Mit der schönen Unterzeile: »100 Gefährten fürs Leben«. „Hundert beste Bücher: Der ZEIT-Kanon“ weiterlesen

Das Haben-Müssen-Gen

Alte Buecher

Einmal, es ist schon etwas her, war ich wochenlang damit beschäftigt, meine Bücherregale zu durchforsten, um auszusortieren. Nicht zum ersten und gewiss nicht zum letzten Mal, aber ab und zu ist es einfach nötig. Denn der zur Verfügung stehende Platz ist leider begrenzt, auch wenn er große Teile der Wohnfläche einnimmt. Daher gibt es drei Kriterien, nach denen ich die Bücher auswähle, mit denen ich mich umgeben möchte: Entweder hat mich ein Buch so begeistert oder beeindruckt, dass ich mir vorstellen könnte, es ein weiteres Mal zu lesen – auch wenn das möglicherweise nie stattfinden wird. Oder ich verbinde ein Buch mit einem bestimmten Ereignis in meinem Leben, an das es mich erinnert; viele davon habe ich hier im Blog im Laufe der Jahre vorgestellt. Und natürlich gibt es die zahlreichen ungelesenen Bücher, die auf die Lektüre warten; dies ist mein Lesevorrat. Und im Prinzip kann man davon gar nicht genug haben, ich liebe es, vor den Regalen mit der Frage zu stehen: Was lese ich als nächstes? Aber es gibt das ein oder andere Buch, bei dem ich überlege, ob es mich nach zehn, fünfzehn Jahren im Regal tatsächlich noch so interessiert, dass ich es irgendwann lesen werde. Gleichzeitig ziehen Woche für Woche neue Bücher in mein Zuhause ein, manche Stapel – in den Regalen ist schon längst kein Platz mehr – schwanken bereits bedenklich. Daher müssen immer wieder Bücher weichen; was bleibt, ist irgendwann die Essenz eines Leserlebens. „Das Haben-Müssen-Gen“ weiterlesen

Nie wieder ist jetzt

Nie wieder ist jetzt.

In den letzten Wochen war es sehr ruhig hier im Blog Kaffeehaussitzer. Ein einziger Beitrag ist im Oktober erschienen; dies auch nur, weil ich ihn schon weitgehend vorbereitet hatte. Dabei ist es nicht so, dass mir die Ideen ausgegangen sind, eher im Gegenteil – es warten noch dutzende gelesene Bücher darauf, vorgestellt zu werden. Nein, es sind die furchtbaren Ereignisse des 7. Oktober 2023 und deren Folgen, die meine Gedanken so beschäftigt haben, dass ich den Blogalltag nicht einfach fortsetzen konnte; so, als sei alles wie immer. Es sind Gedanken voller Entsetzen, voller Wut und voller Fassungslosigkeit, und seit jenem verheerenden Tag suche ich die Worte, um ihnen hier Ausdruck zu verleihen. „Nie wieder ist jetzt“ weiterlesen

Literaturreise in die Berge

Franz-Tumler-Literaturpreis 2023

Das Unterwegssein ist mir ebenso wichtig wie das Lesen und die Beschäftigung mit Literatur – es sind essentielle Bestandteile meines Lebens. Und manchmal trifft beides zusammen: Am 21. und 22. September 2023 war ich eingeladen, als Gast bei der Vergabe des Franz-Tumler-Literaturpreises dabei zu sein. Die Reise führte nach Laas in Südtirol; eine Bahnfahrt von Köln über München, Bozen und Meran. Dann weiter. Die Züge wurden immer kleiner, schließlich ging es hoch hinauf in das Vinschgautal; Laas liegt etwa auf halber Strecke zwischen Meran und dem Reschenpass. Ich hatte im vorletzten Blogbeitrag die Tour unter dem Titel »Mit fünf Büchern in die Marmorstadt« angekündigt, aber mit etwa 4.100 Einwohnern hat der Ort eher dörflichen Charakter – doch der Marmor ist tatsächlich das prägende Element. Direkt am Bahnhof ein riesiges Depot aufgereihter Marmorklötze zur Weiterverarbeitung, die Fußwege im Dorfkern sind mit Marmor gepflastert, der Dorfplatz sowieso, es gibt einen Brunnen aus Marmor, sogar die Litfaßsäule im Zentrum trägt eine marmorne Überdachung. In 1.500 Meter Höhe wird er abgebaut; unter Tage, es sind riesige Höhlen mit weißen Wänden. Seit hunderten von Jahren gibt es die Marmorminen, der Abbau verleiht dem Dorf in Verbindung mit der allgegenwärtigen Vinschgauer Obstwirtschaft ein ganz eigenes Flair. Es ist ein besonderer Ort für eine ganz besondere Veranstaltung. „Literaturreise in die Berge“ weiterlesen

Abgebrochene Bücher

Abgebrochene Buecher

Damals, als junger Leser, habe ich niemals ein Buch abgebrochen. Alle habe ich zu Ende gelesen, egal wie langweilig oder uninteressant ich sie fand oder wie wenig ich mit ihnen anfangen konnte. Warum? Ich weiß es nicht. Irgendwie war da immer die Hoffnung, dass mich das Buch – vielleicht auch erst gegen Ende – doch noch packen würde oder der Gedanke, dass ich Angefangenes auch zu Ende bringen müsse. Was für eine Verschwendung an Leselebenszeit! Bei manchen Büchern passt es einfach nicht, der Funke springt nicht über und heute breche ich sie ohne zu zögern nach den ersten Kapiteln, den ersten hundert Seiten ab. Denn es warten so viele andere darauf, entdeckt zu werden. Und schließlich gehört »das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen« zu den zehn »unantastbaren Rechten des Lesers«, die der französische Schriftsteller Daniel Pennac vor über drei Jahrzehnten formulierte. 

Bei einigen Büchern weiß ich noch genau die Stellen, die dafür sorgten, dass ich sie nicht beendet habe. Entweder waren sie – nach genereller Unzufriedenheit mit dem bisher Gelesenen – der endgültige Grund für den Leseabbruch. Oder sie machten mir schon nach den ersten paar Seiten klar, dass Buch und Leser in diesem Fall nicht zusammenpassen würden. Das alles ist natürlich höchst subjektiv, so wie eben jeder Leser, jede Leserin einen eigenen Lesegeschmack hat. Hier kommen ein paar ganz persönliche Abbruch-Beispiele aus den letzten Jahren. „Abgebrochene Bücher“ weiterlesen