Der Wächter und seine Dämonen

Gerhard Jaeger: All die Nacht ueber uns

Einen Zaun. Einen Wachturm. Einen Mann. Und seine Dämonen. Mehr benötigt Gerhard Jäger nicht, um uns in seinem Roman »All die Nacht über uns« auf eine Reise tief in die Seele eines Menschen zu schicken, dorthin, wo es dunkel ist. So dunkel, wie die Nacht, die diesen Mann umgibt, als er auf dem Wachturm steht, um einen Zaun zu bewachen. Eine einzige, endlose Nacht lang begleiten wir Leser ihn dabei.

Europa in einer nahen Zukunft: Die Flüchtlingskrise hat einen neuen Höhepunkt erreicht, als tausende von Menschen versuchen, dem tödlichen Chaos im zerfallenden Nahen Osten zu entkommen. Die Staaten Mitteleuropas riegeln ihre Grenzen ab, bauen Zäune. In einem nicht näher genannten Land sind die widerwärtigen Phantasien rechtsnationaler Politiker Wirklichkeit geworden: Es wird geschossen, wenn Flüchtlinge versuchen, den Grenzzaun zu überwinden; egal, ob es sich um Männer, Frauen oder Kinder handelt. Dies ist die Aufgabe des einsamen Soldaten auf dem Wachturm. Auf den Zaun zu achten, in die Nacht hinaus zu starren und im Zweifelsfall das Feuer zu eröffnen. „Der Wächter und seine Dämonen“ weiterlesen

Nur eine Lebenslüge?

Eva Ladipo: Wende

Trägt ein Buch den Titel „Wende“ denkt man unwillkürlich an die Ereignisse im Jahr 1989, an den Zusammenbruch der DDR und die deutsche Wiedervereinigung. Dies spielt im Roman von Eva Ladipo auch durchaus eine wichtige Rolle, im Mittelpunkt steht allerdings ein ganz anderer Umbruch: Es geht um Ursachen und Folgen der Energiewende, um Gewinner und Verlierer, um Macht und Abhängigkeit und um Politik. Die Autorin verknüpft die Geschehnisse beider Wenden miteinander, bietet dem Leser einen spannenden Polit-Thriller und legt gleichzeitig den Finger auf eine der großen Lebenslügen unserer Industrienation. „Nur eine Lebenslüge?“ weiterlesen