Land Of The Free?

Thomas Mullen: Darktown | Weisses Feuer

Wieder einmal brennen in den USA die Straßen, wieder einmal demonstrieren Tausende gegen rassistische Polizeigewalt. Denn wieder einmal wurde ein Mensch mit dunkler Hautfarbe von weißen Polizisten getötet. Der strukturelle Rassismus zieht sich durch die gesamte amerikanische Geschichte; auch nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1865 galten afroamerikanische Bürger fast ein Jahrhundert lang als Menschen zweiter Klasse. Und bis heute ist die Ungleichbehandlung täglich spürbar – von unterschiedlichen Löhnen bis hin zu eben jener Polizeigewalt, die vor allem dunkelhäutige Amerikaner zu spüren bekommen. Der Autor Thomas Mullen beschäftigt sich in seinen Romanen »Darktown« und »Weißes Feuer« mit einem ganz besonderen Aspekt dieser Entwicklung. Beide Bücher sind dabei Kriminalliteratur vom Feinsten und sie führen uns zurück in das Jahr 1948, in die Stadt Atlanta. „Land Of The Free?“ weiterlesen

Ein Blues-Song als Botschaft

Hari Kunzru: White Tears

Der Roman »White Tears« von Hari Kunzru ist für mich eines der bemerkenswertesten, spannendsten und vielschichtigsten Bücher des Jahres. Im September hatte ich außerdem das große Vergnügen, den charismatischen Autor im Kölner Literaturhaus live zu erleben. Es war ein gelungener Abend und seine Erläuterungen haben noch einmal die zentralen Aussagen der Erzählung unterstrichen.

Worum geht es? Auf den ersten Blick um die Geschichte der beiden Freunde Seth und Carter, die in New York ein Tonstudio betreiben. Auf den zweiten Blick aber um viel, viel mehr. Aber der Reihe nach. „Ein Blues-Song als Botschaft“ weiterlesen

Bestseller eines Massenmörders

Sven Felix Kellerhoff: »Mein Kampf« - Geschichte eines deutschen Buches

Im Sommer des Jahres 2000 reiste ich die kroatische Adriaküste entlang, von Zadar bis nach Dubrovnik. Der Krieg auf dem Balkan war noch nicht lange vorbei, immer wieder sah man ausgebrannte Häuser oder ganze Stadtlandschaften mit komplett neu gedeckten Dächern. Zwei weitere Dinge fielen mir auf: Es gab kaum Buchhandlungen, aber eine Menge mobile Buchverkaufsstände. Und fast auf jedem Stand war neben allen möglichen Romanen die kroatische Version von Hitlers „Mein Kampf“ zu finden. Offensichtlich gab es dafür eine Nachfrage. Das wirkte auf mich sehr befremdlich; mutmaßlich waren es Raubdrucke, da die offiziellen Abdruckrechte seit 1945 unter Verschluss gehalten wurden. Bis vor kurzem, als Anfang 2016 die Urheberrechte nach 70 Jahren frei geworden sind. Die Diskussion, wie jetzt mit diesem giftigen Erbe umgegangen werden soll, läuft momentan auf Hochtouren. Ein guter Zeitpunkt, um sich einmal näher damit zu beschäftigen und deshalb habe ich Sven Felix Kellerhoffs „»Mein Kampf« – Geschichte eines deutschen Buches“ gelesen. Jedem, der sich für diese Thematik interessiert, kann ich – soviel sei vorab gesagt – Kellerhofs Buch unbedingt empfehlen. „Bestseller eines Massenmörders“ weiterlesen