Über die eigene Lesebiographie nachzudenken, ist stets ein spannendes Unterfangen. Genau so interessant ist es, diejenige anderer Buchmenschen zu erfahren. Im Literaturblog von Birgit Bölllinger (vormals Sätze & Schätze) – dessen Besuch sowieso nachdrücklich zu empfehlen ist – gibt gab es deshalb zehn Fragen zu Büchern. Fragen, die sich großer Beliebheit erfreuen. Wie viele andere habe auch ich mich daran gemacht, sie zu beantworten – und muss gestehen, dass ich bei einigen ziemlich lange nachdenken musste. Die Fragen sind nämlich schwieriger, als sie auf den ersten Blick scheinen und einmal musste ich sogar passen. Aber lest selbst. „Zehn Fragen – neun Bücher“ weiterlesen
Verlage sind keine Verwerter!
Der Bundesgerichtshof hat am 21. April 2016 ein Urteil verkündet, das man getrost als Schlag ins Gesicht der Buchkultur in Deutschland bezeichnen kann.
Was war geschehen? Es ging um die Ausschüttungen der VG Wort. Bei der VG Wort gehen alle Abgaben, die für Vervielfältigung von Texten z.B. durch Kopierer in Bibliotheken oder Schulen bezahlt werden müssen, ein. Bis zu dem Urteil war es gängige Praxis, dass die jährlichen Ausschüttungen an die Rechteinhaber zwischen Autoren und Verlagen aufgeteilt wurden. Und es geht dabei nicht nur um ein paar hundert Euro im Jahr, sondern um bedeutende Summen.
Aufgrund einer Klage hat der BGH entschieden, dass diese bisher praktizierte Aufteilung unrechtmäßig sei und die Ausschüttung alleinig den Autoren zustehen würde. Eine Auffassung, die zwar juristisch begründbar sein mag, aber auch von einer erschreckenden Unkenntnis und Kurzsichtigkeit zeugt. Sie drängt damit Verlage in die Rolle der »Verwerter« – und das sind sie nicht. „Verlage sind keine Verwerter!“ weiterlesen
Zürich liest 2016: Zurechtgeschnitzt
Zürich liest ist das größte Lesefestival der Schweiz. Trotzdem hatte ich es bisher nur am Rande wahrgenommen, von Köln aus gesehen liegt Zürich eben nicht gerade um die Ecke. Das wird sich dieses Jahr komplett ändern, denn als einer von fünf offiziellen Blogger-Kooperationspartnern ist der Kaffeehaussitzer vor Ort und ich freue mich jetzt schon auf intensive Literaturerlebnisse Ende Oktober. Aber es wird nicht einfach, denn die Festivalmacherinnen Janka Wüest, Violanta von Salis und Natalie Widmer haben zusammen mit ihrem Team ein äußerst abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Die Qual der Wahl, aber ein angenehmes Luxusproblem.
Wie meine Bloggerkolleginnen von Buzzaldrins Bücher, Die Buchbloggerin, Frau Hemingway und Pinkfisch habe auch ich mir im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, welche Lesungen oder Veranstaltungen in Zürich besucht werden möchten. Wegzeiten zwischen den einzelnen Locations mussten berücksichtigt, Entscheidungen bei gleichzeitig stattfindenden Termin schweren Herzens getroffen werden. Herausgekommen ist dabei eine – wie ich glaube – sehr spannende Mischung. Zurechtgeschnitzt und angepasst an den eigenen Geschmack. „Zürich liest 2016: Zurechtgeschnitzt“ weiterlesen
Drei Jahre Kaffeehaussitzer
Vor drei Jahren ging der erste Blogbeitrag auf Kaffeehaussitzer online. Damals war mir ganz und gar nicht klar, was für eine spannende Reise damit beginnen sollte. Von Literaturblogs hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt kaum gehört, hatte irgendwann einmal den Domainnamen Kaffeehaussitzer gesichert und dann die diffuse Idee, diesen Namen zu nutzen, um über Bücher zu reden. Genau das machte mir schon immer Spaß, ob als Buchhändler oder in einer Runde mit anderen literaturbegeisterten Menschen. Es folgten irgendwann die ersten vorsichtigen Gehversuche auf Facebook. Recht spät, denn das Netz und ich – das war die Geschichte einer langsamen Annäherung und die sozialen Plattformen habe ich erst nach und nach für mich entdeckt.
Lange Rede kurzer Sinn: Dann ging es los mit dem Kaffeehaussitzer und ich stellte mit Erstaunen und Begeisterung fest, wie viele Gleichgesinnte, in ihren Lesevorlieben aber auch so unterschiedliche Menschen sich in der Literatur-Blogosphäre tummeln. Und bin dankbar dafür, wie viele von ihnen ich bis heute persönlich kennenlernen durfte – ob im realen Leben oder virtuell. Was als vages Blog-Projekt begann, ist inzwischen zu meiner virtuellen Identität geworden, die nicht im Gegensatz zum echten Leben steht, sondern ein bedeutender Teil davon ist. „Drei Jahre Kaffeehaussitzer“ weiterlesen
Warum ich lese

»Es gibt Menschen, für die ist Lesen eine Form des Zeitvertreibs. Für andere ist es ein Lebensinhalt. Zu diesen zähle ich mich auch, Lesen und Bücher sind für mich überlebenswichtig.« Dies sagte ich in einmal in einem Interview, das Karla Paul für ein Buchhandelsmagazin mit mir geführt hatte. Lebensinhalt klingt vielleicht ein wenig pathetisch, beschreibt aber treffend den Stellenwert, den Bücher und Literatur in meinem Leben haben.
Aber warum ist das so?
Die Frage nach dem Warum stellte Sandro Abbate, Betreiber des lesenswerten Literaturblogs novelero. In seinem sehr persönlichen Beitrag Warum ich lese erzählt er, wie und warum er zum Leser wurde und was dies für ihn bedeutet. Direkt nach der Lektüre seines Textes begannen die Gedanken in meinem Kopf sich um diese Frage, diese Aussage zu drehen. Und das ist jetzt dabei herausgekommen. „Warum ich lese“ weiterlesen
Der Tote am Strand
Moussa Ould el-Assasse – das ist der Name eines der berühmtesten Toten der Literaturgeschichte. Er ist der am Strand von Algier erschossene Araber in Albert Camus Roman »Der Fremde«. Oder zumindest könnte das sein Name sein, denn bei Camus bleibt der von seinem Protagonisten Meursault Erschossene namenlos. Der algerische Schriftsteller Kamel Daoud hat sich der Geschichte angenommen und stellt sie uns aus arabischer Perspektive dar, weshalb sein Buch den Titel trägt »Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung«. Ein Anspruch, der mich sofort neugierig auf den Roman machte, versprach er doch, mich auf eine Reise in die eigene Erinnerung mitzunehmen. „Der Tote am Strand“ weiterlesen
Die Liste der Neun. Ein Ausblick
In den letzten Wochen war es etwas ruhig auf Kaffeehaussitzer. Zwischen Weihnachten, Jahreswechsel, beruflichen und privaten Verpflichtungen gab es keine richtige Muße, um einen Blogbeitrag zu schreiben. Was aber nicht heißen soll, dass die Zeit auch zum Lesen nicht gereicht hat, ganz im Gegenteil. Mittlerweile warten neun Bücher darauf, hier vorgestellt zu werden und als kleinen Zwischenbericht möchte ich einen Ausblick geben, was in nächster Zeit auf Kaffeehaussitzer geplant ist. Das hilft mir auch dabei, eine Gliederung zu schaffen, um mich nicht zu verzetteln.
Es ist nicht so, dass ich jedes Buch bespreche, das ich gelesen habe. Manche hinterlassen zu wenig Eindruck, als das es sich lohnen würde, sich näher damit zu beschäftigen. Allerdings hatte ich Glück bei der Auswahl der letzten Lektüren und so sind neun ganz und gar unterschiedliche Bücher zusammengekommen, um die es hier in den nächsten Beiträgen gehen wird. „Die Liste der Neun. Ein Ausblick“ weiterlesen
Die Buchpreisblogger
Der Deutsche Buchpreis 2015
Seit elf Jahren gibt es den Deutschen Buchpreis, der jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse verliehen wird. Ausrichter ist die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung, Förderer und Partner sind die Deutsche Bank Stiftung, die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Eine hochoffizielle Angelegenheit also. Und einer der bedeutensten Literaturpreise in Deutschland. Zudem eine perfekte Öffentlichkeitsarbeit für das Lesen, die Buchkultur und die Literatur; die interessierten Leser finden jedes Jahr spannende und interessante Titel auf den Listen, die zur Preisvergabe führen. „Die Buchpreisblogger“ weiterlesen
Die Gretchenfrage nach der Axt
Was ist große Literatur? So, jetzt erst einmal durchatmen bei dieser Frage, bevor ich versuche, eine persönliche Antwort darauf zu finden. Zustande gekommen ist die knifflige Herausforderung durch eine Twitter-Unterhaltung. Verschiedene Buchblogger tauschten sich über Dave Eggers »Der Circle« aus. Norman Weiß von notizhefte zitierte für Andrea Breuer von danares.mag einen Verriss des Buches, worauf Sophie Weigand von Literaturen entgegnete, dass ihr das Buch sehr gut gefallen habe. Ich klinkte mich in das Gespräch ein:
O Captain! My Captain! Goodbye
»Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben. Intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.« Diese Sätze von Henry David Thoreau und viele andere mehr trafen mich in meinem Kinosessel wie Faustschläge. Es war Anfang 1990 und der Film »Der Club der toten Dichter« konfrontierte mich mit nichts Geringerem als dem Sinn des Lebens. Nach dem Ende der Vorstellung taumelte ich in die Nacht hinaus, verließ grußlos meine Freunde und lief durch Freiburgs Straßen, Gassen und Gässchen. Stundenlang. Die Stadt wurde immer ruhiger, ich nicht. Der Film und Robin Williams in der Rolle des Lehrers John Keating hatten mich bis ins Innerste getroffen. „O Captain! My Captain! Goodbye“ weiterlesen









