Letzte Woche habe ich mir nach vielen Jahren wieder einen Band der Anderen Bibliothek gekauft. Es ist das Buch »Preisen will ich die großen Männer« von James Agee mit den Photographien von Walker Evans. 1941 das erste Mal erschienen, war es das Ergebnis eines Rechercheprojekts des Autors und des Photographen, mit dem sie über die Lebensbedingungen der Farmerfamilien im Süden den USA berichteten. Es war eine Reise in die bitterste Armut – hohlwangige Männer, verhärmte Frauen, ernste Kinder und halbzerfallene Häuser. Die Weltwirtschaftskrise und die große Depression hatten in den USA ihre Spuren hinterlassen. Die Texte und Photos, die so zusammengetragen wurden, machen auch heute noch einen tiefen und bewegenden Eindruck. „Blutgeld für schöne Bücher“ weiterlesen
Könige der Lässigkeit
Dieses Buch ist, naja, einfach cool. Ich weiß, das war jetzt ein etwas schwacher Einstieg, aber es handelt sich dabei um ein Buch, das man schon als Gegenstand einfach haben muss. »Kings of Cool« von Don Winslow ist wunderschön gestaltet: Ganz in schwarz, sogar der Buchblock ist ringsum eingefärbt, ein Einband in Samtanmutung mit plakativ eingeprägter weißer Schrift. Ein großes Kompliment an die Herstellungsabteilung des Suhrkamp-Verlags. „Könige der Lässigkeit“ weiterlesen
Niemand kann sich heraushalten
Lissabon ist eine wunderschöne Stadt. Das erste Mal dort war ich 1988 während einer Interrailtour durch Südeuropa, auf dem Weg nach Marokko. Es ist schon lange her, aber ich kann mich noch gut an die Ankunft erinnern: Nach einer durchwachten Nacht im Gang eines überfüllten Zuges saßen wir früh am Morgen völlig übermüdet in einem Straßencafé am Praça Dom Pedro IV, tranken einen starken Kaffee und ließen den Trubel einer erwachenden Großstadt auf uns wirken. „Niemand kann sich heraushalten“ weiterlesen
Stalins spanisches Gold
Ein Mann ist auf der Suche nach seinem jüngeren Bruder, der irgendwo in Spanien unterwegs ist, wo genau weiß er nicht. Er gibt sich als Journalist aus, verliebt sich in eine russische Photographin und kommt per Zufall auf die Spur eines verschwundenen Goldschatzes. Klingt nach einer banalen Handlung, zudem ist das Buchcover nicht besonders ansprechend gestaltet und der Titel »Die Wahrheit stirbt zuletzt« des Romans von Leif Davidsen etwas aussagelos. Aber hinter all dem verbirgt sich eine großartige und lesenswerte Geschichte. „Stalins spanisches Gold“ weiterlesen
Südamerikanische Zeitreise
Seit vielen Jahren habe ich ein Faible für Südamerika, für Historisches und für gut geschriebene Reiseberichte. Umso neugieriger war ich auf das Buch »Kondor und Kühe« von Christopher Isherwood. Der angloamerikanische Schriftsteller brach im September 1947 zusammen mit dem Photographen William Caskey zu einer mehrmonatigen Reise auf. Sie führte ihn durch Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Peru und Argentinien – quer über die Anden bis nach Buenos Aires. Herausgekommen ist dabei ein stilistisch brillant geschriebener Reisebericht, der erst jetzt, 2013, im wunderbaren Liebeskind Verlag auf deutsch erschienen ist. „Südamerikanische Zeitreise“ weiterlesen
Das Epos einer Niederlage
Am Eingang stand eine Kanone, groß, abweisend, bedrohlich. Direkt daneben sah man, was sie anrichten konnte: Der Brustpanzer eines Kürassiers war vorne und hinten großflächig durchschlagen, es blieb der Phantasie überlassen, was mit dem Menschen dazwischen geschehen sein mochte. Das war der erste Eindruck der großartigen Napoleon-Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die im Jahr 2012 stattfand. „Das Epos einer Niederlage“ weiterlesen
Venezianischer Textbaustein*
Das hier ist meine Lieblingsstelle in dem wunderbaren, großartigen Buch »Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz« des italienischen Autorenduos Fruttero & Lucentini. In dem Roman geht es um das Thema Unsterblichkeit, so wie in dem schon vorgestellten »Alle Menschen sind sterblich«. Auch hier steht ein auf ewig Reisender im Mittelpunkt der Geschichte, die in Venedig spielt. Die zitierte Stelle lese ich mir manchmal laut vor – einfach weil mir die Sprache so gut gefällt. Und bekomme jedes Mal eine Gänsehaut. „Venezianischer Textbaustein*“ weiterlesen
Wo liegt Faserland?
Wenn ich schaue, über welche Bücher ich bis jetzt geschrieben habe, dann scheinen die Neunziger Jahre bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen zu haben. Da kann ich hier gleich noch einen Titel nachlegen: »Faserland« von Christian Kracht ist 1995 erschienen. Das Buch war das erste des Autors und der Protoyp eines neuen Erzählstils, der Schule machen sollte. „Wo liegt Faserland?“ weiterlesen
Chilenisches Versteckspiel
Das Buch »Der Fall Neruda« von Roberto Ampuero war ein Zufallstreffer. Mir hat das Buchcover gefallen, das Buch fühlte sich irgendwie gut an und da habe ich es gekauft. Bei solchen Spontankäufen bin ich auch schon enttäuscht worden, aber diesmal wurde ich mit einer spannenden Geschichte und der Entdeckung eins bis dahin mir unbekannten Autors belohnt. „Chilenisches Versteckspiel“ weiterlesen
Im Reich der Finsternis
Das Buch »Vaterland« von Robert Harris ist mir während meiner Buchhändlerlehre in den Neunzigern in die Hände gefallen und es hat mich bis heute nicht losgelassen. Es fängt an wie ein Krimi-Klischee: An einem trostlosen, verregneten Morgen wird die Leiche eines älteren Mannes in der Berliner Havel gefunden. Der Kripo-Ermittler Xaver März – was für ein Name! – untersucht den Tatort. März scheint wie aus einem Noir-Krimi entsprungen, desillusioniert, geschieden, zynisch, die Whiskyflasche im Schreibtisch, eine gescheiterte Existenz. „Im Reich der Finsternis“ weiterlesen










