Gefangene der Geschichte

Ilija Trojanow: Macht und Widerstand

Was weiß ich über Bulgarien? Nicht wirklich viel, um ehrlich zu sein. Früher ein ärmlicher, grauer Ostblock-Staat, heute ein Land, das sich zwar offiziell eine Demokratie nennt, aber unter den Auswirkungen von Korruption und organisiertem Verbrechen leidet; so meine Wahrnehmung. Ein europäisches Land, und trotzdem viel weiter weg als manche Ziele in Übersee. Mit Ilija Trojanows Buch „Macht und Widerstand“ rückt Bulgarien plötzlich mitten hinein ins Bewusstsein – auch wenn man Trojanows Werk ebenso als eine allgemeingültige Parabel über das Leben und Überleben in einer Diktatur lesen kann. „Gefangene der Geschichte“ weiterlesen

Die Blinde und der Gehorsame

Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

Wenn auf dem Umschlag eines Buches ein Schwarzweiß-Photo abgebildet ist, werde ich immer aufmerksam; in meinem Fall haben die Marketingmenschen der Verlage damit alles richtig gemacht. So ging es mir auch bei „Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr. Gesehen, für interessant befunden, gekauft, obwohl ich noch nie etwas von diesem Autor gehört hatte. Kurz darauf dann die Nachricht, dass er für dieses Buch den Pulitzer-Preis für Belletristik erhalten hat und umso gespannter war ich dann auf die Lektüre. „Die Blinde und der Gehorsame“ weiterlesen

Niemand kann sich heraushalten

Antonio Tabucchi: Erklärt Pereira

Lissabon ist eine wunderschöne Stadt. Das erste Mal dort war ich 1988 während einer Interrailtour durch Südeuropa. Es ist schon lange her, aber ich kann mich noch gut an die Ankunft erinnern: Nach einer durchwachten Nacht im Gang eines überfüllten Zuges saßen wir früh am Morgen völlig übermüdet in einem Straßencafé am Praça Dom Pedro IV, tranken einen starken Kaffee und ließen den Trubel einer erwachenden Großstadt auf uns wirken. „Niemand kann sich heraushalten“ weiterlesen