Peace for our time

Robert Harris: München

Es ist eines der bekanntesten Photos des 20. Jahrhunderts: Der britische Premierminister Neville Chamberlain steht vor zahlreichen Mikrofonen und hält ein Stück Papier in die Höhe. „Peace for our time“ ruft er dabei den zuhörenden Menschen zu. Es ist der 30. September 1938, Chamberlain kommt gerade von der Unterzeichnung des Münchner Abkommens zwischen ihm, dem französischen Präsidenten Daladier, Hitler und Mussolini. Der damit vermeintlich gesicherte Friede war mit der Zerstückelung der Tschechoslowakei erkauft, deren Regierung erst gar nicht um ein Einverständnis gebeten wurde. Das Bild, mit dem Chamberlain in die Geschichtsbücher einging, ist das eines etwas distinguierten, älteren Herrn, der sich mit seiner Appeasement-Politik von dem deutschen Diktator über den Tisch ziehen ließ. Aber war er das wirklich? Der Autor Robert Harris rückt in seinem Roman „München“ dieses Bild zurecht und bringt uns jene dramatischen Tage auf seine unnachahmlich mitreißende Art und Weise so nahe, wie es literarisch nur möglich ist. „Peace for our time“ weiterlesen

Geheimdienst außer Kontrolle

Robert Harris: Intrige

Vor vielen Jahren habe ich das Buch „Vaterland“ von Robert Harris in die Hände bekommen. Und seitdem alles, was er geschrieben hat, mit Begeisterung gelesen. Ein großes Thema, das sich durch viele seiner Romane zieht, ist das des Außenseiters, der sich alleine mit den Mächtigen anlegt, um ein Unrecht oder ein Geheimnis aufzudecken, das ansonsten gerne verschwiegen worden wäre. So auch in „Intrige“, seinem neuen Roman, der vollständig auf wahren historischen Begebenheiten beruht. Der Außenseiter ist diesmal George Picquart, ein Offizier der französichen Armee, der 1894 vom Kriegsminister beauftragt wird, ihn regelmäßig über den Prozess gegen den mutmaßlichen Spion und Verräter Alfred Dreyfus auf dem Laufenden zu halten. „Geheimdienst außer Kontrolle“ weiterlesen

Im Reich der Finsternis

Robert Harris: Vaterland

Das Buch „Vaterland“ von Robert Harris ist mir während meiner Buchhändlerlehre in den Neunzigern in die Hände gefallen und es hat mich bis heute nicht losgelassen. Es fängt an wie ein Krimi-Klischee: An einem trostlosen, verregneten Morgen wird die Leiche eines älteren Mannes in der Berliner Havel gefunden. Der Kripo-Ermittler Xaver März – was für ein Name! – untersucht den Tatort. März scheint wie aus einem Noir-Krimi entsprungen, desillusioniert, geschieden, zynisch, die Whiskyflasche im Schreibtisch, eine gescheiterte Existenz. „Im Reich der Finsternis“ weiterlesen