Eine Legende der Leidenschaft

Robert Baur: Mord in Metropolis

Der Roman „Mord in Metropolis“ von Robert Baur nimmt uns mit. Und zwar mitten hinein in die Entstehung eines Meisterwerks, eines Meilensteins der Filmgeschichte, einer Legende. Doch schon die Dreharbeiten an sich waren legendär, denn Metropolis war eines der wahnwitzigsten Filmprojekte aller Zeiten und der Regisseur Fritz Lang ein von äußerster Leidenschaft getriebener Perfektionist. In den beiden Jahren 1925 und 1926 wurden etwa 600 Kilometer Film belichtet, sekundenlange Szenen dutzendfach wiederholt, bis sie den Vorstellungen Langs entsprachen, tausende von Statisten beschäftigt, die in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit leicht zu engagieren waren, neueste Technik für aufwändige Trickaufnahmen eingesetzt oder erst dafür entwickelt. Mit enormen Aufwand wurden Kulissen gebaut, hauptsächlich in Potsdam, in den Studios Babelsberg, wo eigens für Metropolis das damals größte und modernste Filmatelier Europas entstand. Die Kosten explodierten, der Film wurde teurer und teurer, das Budget um ein vielfaches überschritten. „Eine Legende der Leidenschaft“ weiterlesen

Auf Mördersuche im Bombenhagel

Harald Gilbers: Germania

Ein Kommissar im Ruhestand wird mitten in Nacht zu einem Tatort gerufen, an dem die ermittelnden Behörden nicht weiterwissen. Irgendwie ein klassischer Beginn eines soliden Kriminalromans. Aber nicht so in diesem Buch, in „Germania“ von Harald Gilbers. Denn der Kommissar ist nicht freiwillig außer Dienst. Er heißt Richard Oppenheimer und wurde wegen seiner jüdischen Herkunft suspendiert. Der Ermittler, der ihn abholen lässt, heißt Vogler und ist Hauptsturmführer der SS. Wir befinden uns in Berlin, im Frühling des Jahres 1944. „Auf Mördersuche im Bombenhagel“ weiterlesen

Fleisch essen

Wolfgang Schorlau: Am zwölften Tag

Das Buch »Am zwölften Tag« von Wolfgang Schorlau hat tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Er ist ein Autor, der genau hinschaut und seine Krimis rund um den privaten Ermittler und Ex-BKA-Beamten Georg Dengler legen den Finger auf wunde Stellen in Politik und Gesellschaft. Im Verlauf der sechs bisherigen Fälle hatte Dengler mit den kriminellen Praktiken der Pharmaindustrie zu tun. Oder es ging um Privatisierung der Wasserversorgung auf Kosten des Allgemeinwohls. Oder den Bombenanschlag auf das Oktoberfest 1980 und die bis heute ungeklärten offensichtlichen Vertuschungen bei den Ermittlungen. Alle Romane sind sehr, sehr gründlich recherchiert und der Leser weiß nie ganz genau, wo die Wirklichkeit endet und die Fiktion beginnt. Oder umgekehrt. Und jetzt, in »Am zwölften Tag«, seinem siebten Fall, legt sich Dengler sich mit der Fleischindustrie und ihren mafiösen Machenschaften an. „Fleisch essen“ weiterlesen

Mittelalter ohne Folklore

Holger Karsten Schmidt: Isenhart

„Isenhart“ von Holger Karsten Schmidt ist ein historischer Roman, der deutlich aus dem Einheitsbrei dieses Genres herausragt. Beurteilt man ihn nur nach dem Klappentext, wird dies nicht sofort deutlich. Dort ist von einem Serienmörder die Rede, von einem mittelalterlichen Profiler; insgesamt entsteht dadurch ein falscher Eindruck von diesem großartigen Buch. Denn es handelt sich hier nicht um einen Mittelalter-Krimi. „Isenhart“ ist viel mehr als das. „Mittelalter ohne Folklore“ weiterlesen

Im Reich der Finsternis

Robert Harris: Vaterland

Das Buch „Vaterland“ von Robert Harris ist mir während meiner Buchhändlerlehre in den Neunzigern in die Hände gefallen und es hat mich bis heute nicht losgelassen. Es fängt an wie ein Krimi-Klischee: An einem trostlosen, verregneten Morgen wird die Leiche eines älteren Mannes in der Berliner Havel gefunden. Der Kripo-Ermittler Xaver März – was für ein Name! – untersucht den Tatort. März scheint wie aus einem Noir-Krimi entsprungen, desillusioniert, geschieden, zynisch, die Whiskyflasche im Schreibtisch, eine gescheiterte Existenz. „Im Reich der Finsternis“ weiterlesen

Berliner Luft

Gereon Rath Krimireihe

Ich lese gerne Krimis. Das ist ein Genre, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Der Markt ist voll mit platten Thrillern, aufgepeppt mit Blut, Brutalität und unglaubwürdiger Action. Aber in dem ganzen Altpapier-Dschungel gibt es auch immer wieder neue, fantastische Entdeckungen, manchmal sogar ganze Goldminen an spannender Literatur. Wie etwa die Krimiserie rund um den Ermittler Gereon Rath von Volker Kutscher. „Berliner Luft“ weiterlesen