Textbausteine

Textbausteine
In vielen Büchern habe ich Stellen angestrichen, die mir im Gedächtnis haften geblieben sind und die ich immer wieder lese. Solche Stellen begleiten mich seit Jahren, es sind die Textbausteine meiner Bücherwelt. Manche davon bedeuten mir viel, manche passten einfach nur zur jeweiligen Stimmung. An die ich mich aber auch nach langer Zeit durch diese Textstellen wieder gut erinnern kann.

Die Textstellen, die ich besonders gerne mag, stelle ich hier auf Kaffeehaussitzer unter der Blog-Kategorie „Textbausteine“ nach und nach vor und schreibe dazu, was sie für mich so außergewöhnlich macht oder welches besondere Ereignis ich mit ihnen verbinde.

Bisher sind es diese Blogbeiträge:

Bügeln mit Pearl Jam
Wieso eine kurze Liedzeile einem mehr bedeuten kann als so manch tausendseitiger Roman: Ein Beitrag über das Unterwegssein, über Liebeskummer, das Älterwerden und die Vergänglichkeit. Und über den besten Song aller Zeiten.

¡Viva la librería!
Es sind drei kurze Sätze, die zeigen, dass die Wörter Freiheit und Buchhandlung unmittelbar zusammengehören. Drei kurze Zeilen, in denen es um nichts weniger geht als die Freiheit des Wortes und damit der Meinung und des Geistes. Und darum, was für eine wichtige Rolle die Buchhandlungen, die Verlage und die Presse dabei spielen.

Zeitreise als Utopie – ein Textbaustein
Manchmal erlaube ich mir ein wenig Eskapismus; ich brauche das, um mich wieder im Hier und Jetzt zu verorten. Dann reise ich gedanklich in die Welt des beginnenden 19. Jahrhunderts. Warum das reizvoll sein kann, erläutert dieser Text, denn „die Welt war damals sicher nicht heil, aber ihr Unheil hatte menschliche Dimensionen.“

Ein Textbaustein, hochprozentig
Frank Goosens wunderbarer Text aus seinem Buch „So viel Zeit“ über die Freundschaft, das Leben und die Zeit, die man miteinander verbringt.

Max Goldt und das Organ der Niedertracht
Der Schriftsteller Max Goldt hat vor vielen Jahren mit gewohnt spitzer Feder seine Meinung über die Boulevardpresse kundgetan, insbesondere über das Blatt mit den vier Buchstaben. Ein böser Text, aber aktueller denn je.

Wer nichts weiß, muss alles glauben
Der Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ von Immanuel Kant ist 230 Jahre alt und für mich einer der wichtigsten Texte, die je geschrieben wurden. Wenn ihn mehr Menschen lesen und verinnerlichen würden, könnte die Welt vielleicht zu einem besseren Ort werden.

Geld? Spielt eine Rolle
Der Text aus Max Frischs Tagebüchern über Geld und die Sinnlosigkeit der meisten unserer Tätigkeiten hatte mich vor zwei Jahrzehnten in seiner Radikalität begeistert. Und auch zwanzig Jahre nach dieser Lektüre bringt er das Wesen unserer Gesellschaft klar auf den Punkt, sogar mehr denn je. Aber was bedeutet er für das eigene Leben?

Ein Textbaustein des Herrn B.
Schön doppeldeutig: Eine der Geschichten vom Herrn Keuner zum Thema Veränderung. Dieser kurze Text von Bertold Brecht begleitet mich nun schon ein halbes Leben und ich weiß leider nicht mehr, wo und wann ich ihn das erste Mal gelesen habe. Aber er ist mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Wahrscheinlich, weil das Thema Veränderung mir schon immer sehr wichtig war und ist. Veränderung bedeutet Leben, Stillstand hält das Leben an.

Ein Textbaustein aus Mittelerde
Tolkiens „Der Herr der Ringe“ ist eine sprachlich herausragende Erzählung und so unglaublich vielschichtig, dass man bei jedem wiederholten Lesen immer wieder neue Details entdeckt oder sogar das Gefühl hat, ein gänzlich anderes Buch in der Hand zu halten als beim letzten Mal. Eine Abenteuergeschichte. Ein Roadmovie. Ein Märchen. Ein Gleichnis. Eine Sage, mystisch. Und eine Liebe fürs Leben. Dabei hat es mir eine kurze Textstelle besonders angetan.

Die Tramper-Zeit. Ein Textbaustein
Früher bin ich viel getrampt, allein oder mit Freunden und auf diese Weise durch halb Europa gekommen. Schon damals, Anfang bis Mitte der Neunziger war das eine etwas aus der Mode gekommene Fortbewegungsmethode, heute sieht man sie fast gar nicht mehr, die rucksacktragenden Gestalten am Wegesrand, die den Autofahrern Daumen oder Schilder mit Ortsnamen entgegenrecken. Meistens bin ich gut voran gekommen.

In die Falle gegangen? Ein Textbaustein, mitwachsend
Franz Kafkas „Kleine Fabel“, die kurze Geschichte von der Maus, der Falle und der Katze hat mich von Beginn an fasziniert. Doch erst heute, viele Jahre und Erfahrungen später, kommt sie mit der ganzen Wucht, die zwischen den Zeilen ruht, richtig zum Tragen.

Zeitlos schön: Ein Textbaustein des Dorian Gray
Manchmal erkennt man die Schönheit einer Textstelle in einem Buch nicht gleich auf den ersten Blick. Vielleicht hat man zu schnell gelesen, vielleicht ist sie im Zusammenhang der Handlung nicht sofort aufgefallen und man bemerkt ihre Eleganz erst, wenn sie alleine steht. So ging es mir mit einem kurzen Abschnitt aus „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde.

Venezianischer Textbaustein
Das hier ist meine Lieblingsstelle in dem wunderbaren, großartigen Buch „Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz“ des italienischen Autorenduos Fruttero & Lucentini. Ein ewig Reisender und eine wunderschöne Sprache.

Positiv denken mit Franz Kafka
Es gibt Momente im Leben, die sind von solch unglaublich kristallener Klarheit, als wäre gerade ein Vorhang weggezogen worden, der die Gedanken blockiert hatte. Solche Schlüsselmomente sind selten, daher bleiben sie meist sehr lange in Erinnerung. Als ich im Frühjahr 1991 lesend im Kaffeehaus  saß, habe ich einen solchen erlebt.

2 Kommentare

  1. Kaffeehaussitzer-Blog als visuelles Ereignis. Klar-luftiges Layout, appetitliche Navigation, geschmackvolle Illustration mit geschmackvollen Fotos. Ich bin seit über einer Stunde hier und das hat auch mit der „Inneneinrichtung“ dieses Kaffeehauses zu tun. Natürlich nicht nur. Ich war ja hier, um zu lesen…

  2. Das ist eine gute Idee und eine schöne Zusammenstellung. Ich bin schon gespannt, die eine oder andere Stelle im einzelnen nachzulesen!

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