Maigret und die Schnapszahl

Kommissar MaigretGeorges Simenon hat am 13. Februar Geburtstag. Ich auch. Er wäre dieses 111 Jahre alt geworden. Ich nicht, aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich  noch nie einen seiner Maigret-Romane gelesen. 111 Jahre, eine Schnapszahl und ein schöner Anlass, sich von seinen Geburtstagsgästen einzelne Bände aus der Maigret-Gesamtausgabe schenken zu lassen. Da sind einige zusammengekommen.

Den ersten habe ich jetzt gelesen, es sind handliche Bändchen, ideal für zwischendurch. Und dabei schöne Literatur, die uns auf eine Zeitreise mitnimmt. Mit „Maigret und Pietr der Lette“ startete Simenon 1930 seine erfolgreiche Serie – am Ende sollten es 75 Kriminalromane werden. Es sind von unserer Warte aus gesehen herrlich entschleunigte Geschichten. Das Reisen findet mit Dampflokomotiven statt, an den Bahnhöfen gibt es Gepäckträger, die neuesten Nachrichten werden von Zeitungsjungen ausgerufen, Telefone sind selten und Autos teilen sich die Straßen mit Pferdefuhrwerken.

Maigret löst einen Fall nach dem anderen, und im Laufe der Zeit wird sich sein Paris und das Frankreich darumherum verändern. Alles wird moderner, langsam aber sicher. Das macht mit den Reiz dieser Bücher aus, sie sind schon beinahe ein zeitgeschichtliches Zeugnis, verpackt in Literatur. Der letzte Maigret-Roman stammt aus dem Jahr 1972.

Der Diogenes Verlag hat 2008/2009 eine überarbeitete Gesamtausgabe aller 75 Maigrets auf den Markt gebracht. Wunderschön gemacht, stimmungsvolle und zum Teil berühmte Schwarzweißphotos auf dem Umschlag, ein stabiler Kartoneinband, Lesebändchen und mit einem Plan von Paris im Vorsatz. Geschmackvoll, eben Diogenes-Bücher. Dank meiner Geburtstagsgäste besitze ich davon nun die ersten 13 Bände. Und werde mich jetzt immer wieder in ein Frankreich begeben, das es so nicht mehr gibt. Werde Kommissar Maigret durch regennasse Straßen und Gassen folgen, werde mit ihm im Licht der Gaslaternen durch ein nächtliches Paris streifen und ihm Gesellschaft leisten, wenn er regelmäßig ein neues Holzscheit in seinen ständig überhitzten Kanonenofen wirft.

Ich freue mich auf diese Ausflüge.

Buchinformation
Georges Simenon, Maigret und Pietr der Lette
Aus dem Französischen von Wolfram Schäfer

Diogenes Verlag
ISBN 978-3-257-23801-3

6 Kommentare

  1. Auch wenn die Maigret-Romane natürlich zur Kriminalliteratur zählen, sie gehen doch darüber hinaus. Und für alle Skeptiker(innen) in den Kommentaren empfehle ich aufs wärmste die Non-Maigrets von Simenon. Und Maigret oder Non-Maigret – ich stimme mit dir darüber ein: Es sind kleine Litera-touren zum Entschleunigen!

    • Vielen Dank für Dein Feedback, liebe Birgit. Die ersten Non-Maigrets liegen hier auch schon bereit, bin schon sehr gespannt darauf…

  2. Das klingt wirklich sehr verlockend. Obwohl, da muss ich mich Petra anschließen, auch ich lese äusserst selten Krimis.Ich wünsche dir und deiner Spürnase weiterhin viel Spaß beim Lesen. Danke für diese wundervolle Rezension – man merkt, sie ist mit Herz geschrieben.

  3. Das klingt richtig schön, nostalgisch, vielleicht probiere ich es auch mal mit dem ersten Band, obwohl ich eigentlich kein Krimi-Fan bin … Dir alles Gute nachträglich zum Geburtstag : )

    • Vielen Dank. Schön ist, dass die Geschichten nicht vor einem geschichtlichen Hintergrund angesiedelt, sondern eben tatsächlich in der Zeit entstanden sind. Authentischer geht es nicht.

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