Ein Textbaustein*, hochprozentig

Frank Goosen: So viel Zeit

Es ist Sonntag und ich habe Kopfweh. Nicht irgendein Kopfweh, eher so ein dumpfes Dröhnen. Dabei sollten einem mit sechsachtundvierzig  die Folgen eines schönen Abends doch eigentlich klar sein. Aber das ist natürlich nicht so, warum auch.

Frank Goosen hat das mit einem formidablen Text so wundervoll auf den Punkt gebracht, dass ich ihn hier unbedingt noch einmal wiedergeben muss. Noch einmal, weil ich das Buch „So viel Zeit“ bereits im Juni 2013 hier vorgestellt und dabei ebenfalls diesen Text zitiert habe. Weil er mir einfach so gut gefällt.

Und heute passt er perfekt.

„Der Wirt bringt die vier Pinnchen. Wir alle starren auf dieses durchsichtige Zeug und hoffen, es möge Wasser sein, aber es ist guter, starker russischer Wodka. Wir wissen, wir sollten das jetzt nicht trinken. Dies ist der eine Schluck zu viel, der, der uns das Genick bricht. Es ist ungesund, das Zeug hinunterzukippen, aber es ist auch ungesund, überhaupt auf die Welt zu kommen und so viel Zeit totschlagen zu müssen, so viele Erinnerungen zu produzieren, so viel Leben in sich zu haben, also stoßen wir an und hoffen, dass alles gut wird.“

Cheers.

Und jetzt muss ich irgendwie den Tag herumkriegen. Aber Männer klagen ja bekanntlich nicht.

* In vielen Büchern habe ich Stellen angestrichen, die mir im Gedächtnis haften geblieben sind und die ich immer wieder lese. Solche Stellen begleiten mich seit Jahren, es sind die Textbausteine meiner Bücherwelt.

Buchinformation
Frank Goosen, So viel Zeit
Heyne Taschenbuch.
ISBN 978-3-453-40582-0 

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